Lexikon
Humanịsmus
[zu lateinisch humanitas, menschliche Natur]
Humanismus im deutschsprachigen Raum
Von Italien gelangte der Humanismus nach Frankreich (A. J. Laskaris, J. C. Scaliger, F. Rabelais, P. Ramus) und Spanien (J. L. Vives). In England beschrieb T. More in seinem Staatsroman „Utopia“ einen toleranten christlichen Humanismus. Der Humanismus im deutschsprachigen Raum wurde durch Studenten aus Italien verbreitet. Einem Gelehrtenkreis am Prager Hof unter Karl IV. gehörten u. a. J. von Neumarkt und J. von Tepl an. Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Zentren in Wien (J. Regiomontanus, J. Cuspinian) und Nürnberg (W. Pirckheimer, G. von Heimburg). Zwischen Scholastik und Humanismus stand Nikolaus von Kues, der zusammen mit den philosophisch-rhetorischen Lehrschriften R. Agricolas zur Verbreitung des Humanismus in Deutschland beitrug. Schon früh entwickelte der deutsche Humanismus einen politischen Charakter, vertrat deutlich antipäpstliche, nationale Positionen und stützte den Kaiser. In den Städten bildeten sich Humanistenkreise, die wieder auf Schulen und Universitäten wirkten. Es entstanden vor allem didaktische Schriften und Satiren (S. Brant, T. Murner). Prosaepik verfasste N. von Wyle, Dramen J. Wimpfeling, J. Reuchlin und J. Vadianus; als Erzieher und Lehrer wirkte C. Mutianus Rufus; A. Dürer verfasste Briefe, Anthologien und theoretische Schriften. Durch seine Tätigkeit an deutschen Universitäten trug der „Erzhumanist“ K. Celtis wesentlich zur Verbreitung des Humanismus bei. Höhepunkt des frühneuzeitlichen Humanismus bildete das Werk des Erasmus von Rotterdam. Er verband Christentum und Antike in einer – als Praxis verstandenen – „Philosophie Christi“ und trat für religiöse Toleranz ein. Auf die einsetzende Reformation hatte der Humanismus zunächst großen Einfluss, außer U. von Hutten standen ihr die meisten Humanisten jedoch fern. Mit den Erfolgen M. Luthers endete die Epoche des Humanismus im 16. Jahrhundert. In den Niederlanden gab es bei J. Lipsius und H. Grotius einen politischen Späthumanismus, der an Erasmus anschloss. Wichtige Gedanken des Humanismus haben, besonders durch P. Melanchthon, weitergewirkt und die Entwicklung Europas beeinflusst.
- Einleitung
- Die Antike als Verkörperung des Menschentums
- Humanismus im deutschsprachigen Raum
- Prägende Kraft abendländischen Denkens
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