Lexikon
Karikatụr
[
die; italienisch
]in der bildenden Kunst (meist Grafik) die in Physiognomik oder gedanklicher Verbindung Menschen, Ereignisse oder Lebensverhältnisse ins Satirische, Groteske, Witzige oder Humorvolle verzerrende, oft politisch-tendenziöse Darstellung. Nachgewiesen ist die Karikatur schon im antiken Ägypten und Rom; im Mittelalter finden sich besonders Spottbilder, die auf bestimmten Personengruppen (Mönche u. a.) abzielen. Die physiognomischen Ausdrucksstudien Leonardo da Vincis gelten als Vorläufer der Karikatur, die als eigenständige Kunstform (und mit ihr der Begriff) jedoch erst im 17. Jahrhundert durch die Bologneser Brüder Agostino und Annibale Carracci begründet wurde. J. Callot führte das Fantastische und Groteske als bestimmendes Merkmal in die Karikatur ein; ihren ersten Höhepunkt erlebte sie als Kunstform im England des 18. Jahrhunderts, wo vor allem W. Hogarth, T. Rowlandson und G. Cruikshank die Karikatur zu einem Mittel der gesellschaftlichen Satire machten. Im Deutschland der Goethezeit nahm u. a. D. Chodowiecki das Genre auf und erweiterte es um ein moralisierendes Element. In Frankreich wurde 1830 die politisch-satirische Wochenzeitschrift „La Caricature“, 1832 die Tageszeitung „Le Charivari“ gegründet. Die richtungweisenden Karikaturisten dieser Zeit, geleitet von starkem sozialkritischem Ethos, waren J. J. Grandville, P. Gavarni, vor allem H. Daumier, G. Doré und H. Toulouse-Lautrec. Die politische Karikatur fand besonders in satirischen Zeitschriften der Zeit ihre Verbreitungsform. In Großbritannien „Punch“ (gegründet 1841); in Deutschland „Die fliegenden Blätter“ (1844), „Kladderadatsch“ (1848), „Simplizissimus“ (1906); für sie arbeiteten bisweilen so berühmte Karikaturisten wie W. Busch, A. Oberländer, T. T. Heine, O. Gulbransson, H. Zille, G. Grosz, O. Dix. Nach 1945 wurde die politische Karikatur bis heute andauernd zum festen Bestandteil der Tagespresse (L. Murschetz, E. M. Lang, W. Hanel). Daneben findet sich als Karikatur ohne Worte der Cartoon (u. a. T. Ungerer, S. Silverstein und Loriot alias V. von Bülow) und die Typenkarikatur (u. a. Chaval, J. Effel, Sempé, F. K. Waechter, R. Topor, M. Marcks, H. Traxler).
Wissenschaft
Zeitkapsel im Untergrund
Mithilfe von seismischen Wellen spähen Forscher tief ins Innere des Roten Planeten. Sie stießen dabei auf die Spuren eines urzeitlichen Bombardements. von THORSTEN DAMBECK Wer wissen will, wie das tiefe Innenleben der Erde beschaffen ist, wird kein Bohrgerät verwenden. Denn damit könnte man allenfalls einige Kilometer der...
Wissenschaft
Eine einzige Zigarette …
Welche Schäden selbst gelegentliches Rauchen an der DNA hinterlässt, und warum wir trotzdem nicht sofort tot umfallen, erklärt Dr. med. Jürgen Brater. Dass Rauchen der Gesundheit alles andere als guttut, ist allgemein bekannt. Dabei ist es entgegen einer weitverbreiteten Ansicht gar nicht das Nikotin, das den Tabakrauch so...