wissen.de
Total votes: 36
LEXIKON

Kultrgeschichte

die Erforschung der Wandlungen in der geistigen, kulturellen und sozialen Entwicklung eines Volks oder der gesamten Menschheit, auch diese Wandlungen selbst; im Unterschied zur (rein) politischen Geschichte. Die Anfänge der Kulturgeschichte gehen ins 18. Jahrhundert zurück auf Montesquieu und auf Voltaire. Die Aufklärung verstand Kulturgeschichte als die Geschichte der fortschreitenden Entwicklung der Menschheit. In Deutschland erhielt die Kulturgeschichte neue Impulse durch J. Möser und durch J. G. Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (17481791), die die Kultur als Ergebnis des unbewussten Schaffens des Volksgeistes sahen. Eine besondere Ausprägung und zugleich einen Höhepunkt erreichte die Kulturgeschichte durch J. Burckhardt („Kultur der Renaissance in Italien“ 1860; „Weltgeschichtliche Betrachtungen“ 1905); in der Lehre von den drei „Potenzen“ sah Burckhardt Staat, Religion und Kultur als Hauptstrukturen des geschichtlichen Lebens. Eine Neuorientierung fand im 20. Jahrhundert statt durch die Hinwendung zur Kulturmorphologie (A. J. Toynbee) und Kultursoziologie (A. Weber). Diese Versuche bewirkten, dass heute Kulturgeschichte einerseits als Geschichte der Hochkulturen, andererseits als historische Kulturanthropologie aufgefasst wird.
Total votes: 36