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LEXIKON

Lincoln

[ˈliŋkən]
Lincoln, Abraham
Abraham Lincoln
Abraham, US-amerikanischer Politiker (Republikaner), * 12. 2. 1809 bei Hodgenville, Ky.,  15. 4. 1865 Washington (ermordet); 16. Präsident der USA (18611865). Lincoln führte die Nordstaaten im US-amerikanischen Bürgerkrieg zum Sieg über die Konföderierten Staaten des Südens; er bewahrte damit die nationale Einheit und das politische System des Landes. Seine berühmte Rede auf dem Schlachtfeld von Gettysburg (Gettysburg Address) vom 19. 11. 1863 ging mit ihrem Bekenntnis zur Freiheit und Gleichheit in den politischen Bildungskanon der USA ein.

Politischer Aufstieg und Ausbruch des Bürgerkriegs

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Autodidakt Lincoln ließ sich 1837 als Anwalt nieder und war 18471849 für die Partei der Whigs Abgeordneter des Repräsentantenhauses. 1856 schloss er sich der neu gegründeten Republikanischen Partei an, die sich programmatisch auf ein absolutes Verbot der Sklaverei festlegte. Bei den Vorbereitungen zur Präsidentschaftswahl teilte sich die Demokratische Partei 1860 in zwei Fraktionen. Diese Uneinigkeit begünstigte die Republikaner, die Lincoln nominiert hatten, der im Ruf stand, ein guter Redner zu sein und als Kritiker der Sklaverei bekannt war. Der Wahlsieg Lincolns veranlasste die meisten Südstaaten zum Austritt aus der Union. Die Folge war 1861 der Ausbruch des Sezessionskrieges zwischen dem Norden und dem Süden, in dem sich Lincoln als energischer und weitsichtiger Politiker erwies.

Sklavenbefreiung, Wiederwahl und gewaltsames Ende

Lincoln konzentrierte alle nationalen Kräfte auf den Zusammenhalt der Union und verhinderte mit anfänglicher Zurückhaltung in der Sklavenfrage den Abfall weiterer Staaten. Als sich die militärische Situation der Nordstaaten gebessert hatte, unterschrieb Lincoln am 1. 1. 1863 die Emanzipations-Proklamation zur Sklavenbefreiung. Nach seiner Wiederwahl 1864 und dem Sieg der Unionstruppen unter dem Oberkommando von U. S. Grant legte Lincoln sein Wiedereingliederungsprogramm für den Süden vor (reconstruction). Wenige Tage nach der Kapitulation der von R. E. Lee befehligten Streitkräfte der Südstaaten starb Lincoln an den Folgen eines Revolverattentats, das der fanatische Südstaatler John Wilkes Booth (* 1838,  1865) während einer Theatervorstellung verübte. Die tatsächliche Befreiung der Sklaven durch die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes erfolgte erst nach Lincolns Tod im Dezember 1865.
Rettung der Union oder Sklavenbefreiung?
Rettung der Union oder Sklavenbefreiung?
In einem Brief vom 22. 8. 1862 an die New York Tribune erklärte Abraham Lincoln sein Kriegsziel:

Ich möchte die Union retten. Ich möchte sie auf dem kürzesten verfassungsmäßigen Wege retten... Sollte es Leute geben, die die Union nicht retten wollen, wenn sie nicht gleichzeitig die Sklaverei zu retten vermögen, so bin ich nicht mit ihnen einverstanden. Sollte es Leute geben, die die Union nicht retten wollen, wenn sie nicht gleichzeitig die Sklaverei vernichten können, so bin ich auch mit ihnen nicht einverstanden... Wenn ich die Union erretten könnte, ohne einen einzigen Sklaven zu befreien, würde ich es tun; und wenn ich sie retten könnte durch die Befreiung aller Sklaven, würde ich es tun; und wenn ich sie retten könnte, indem ich die einen befreite und die anderen nicht, so würde ich auch dies tun. Was ich wegen der Sklaverei und der farbigen Rasse tue, das tue ich, weil ich glaube, dass es beiträgt, die Union zu retten, und was ich unterlasse, das unterlasse ich, weil ich nicht glaube, dass es zur Rettung der Union beitragen kann.

Am 1. Januar 1863 verkündete Lincoln die Befreiung der Sklaven:
...so ordne ich, Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten, kraft der mir verliehenen Machtbefugnisse als Oberbefehlshaber der Land- und Seestreitkräfte der Vereinigten Staaten in Zeiten tätlicher bewaffneter Rebellion..., an und bezeichne folgende Staaten und Staatenteile, deren Bevölkerung am heutigen Tage sich in Auflehnung gegen die Vereinigten Staaaten befindet: [folgt Aufzählung].
Und kraft meiner Vollmacht und zu dem oben genannten Zweck verordne ich und erkläre ich hiermit, dass alle in den genannten Staaten und Staatenteilen als Sklaven gehaltenen Personen von nun an frei sind und bleiben; und dass die ausübende Regierungsgewalt der Vereinigten Staaten... die Freiheit der genannten Personen anerkennt und aufrecht erhält... Und weiterhin erkläre ich und gebe bekannt, dass solche Personen zum Waffendienst der Vereinigten Staaten zugelassen werden, sofern sie dazu geeignet sind.
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