Lexikon
Schmerz
Schmerzsinn; Dolorunangenehme physische oder psychosomatische Sinnes- oder Gefühlswahrnehmung eines Zustandes, der eine Störung des Wohlbefindens anzeigt und in der Regel ein lebenswichtiges Symptom bei aktueller oder möglicher Gewebsschädigung darstellt. Schmerz ist eine eigene Sinnesqualität, allerdings mit starker seelischer Komponente. Persönlichkeitsstruktur und Gefühlslage bestimmen die immer subjektive Empfindung von Schmerz mit. Akuter Schmerz warnt vor Bedrohung des Organismus, so dass der Betroffene mit Abwehr- und Verhütungsmaßnahmen reagieren kann. Oberflächenschmerz (z. B. durch Hautverletzungen) wird als hell und stechend empfunden und klingt meist schnell ab. Er wird insbesondere durch freie Nervenendigungen und Schmerzempfänger (Schmerzrezeptoren) in der Haut erzeugt. Der als dumpf und ziehend empfundene Tiefenschmerz (z. B. Gelenkschmerz) leitet sich aus Schmerzrezeptoren an Knochen, Gelenken u. Bindegewebe ab. Beim visceralen oder Eingeweideschmerz führen Dehnungen oder Krämpfe von Hohlorganen im Körperinneren (z. B. Austreibungskoliken bei Gallensteinen) zur Schmerzwahrnehmung. Insbesondere der Tiefen- und Eingeweideschmerz können zu einem anfallartig wiederkehrenden oder dauerhaften chronischen Schmerz werden (z. B. Rheuma, Migräne). Er kann durch sensomotorische und vegetative Reflexkreise aufrecht erhalten werden. Z. B. verstärken Schmerzrezeptoren an den Gelenken die Schmerz auslösende Anspannung der beteiligten Muskulatur. Dieser Reflexkreis kann durch lokale Gabe von Schmerzmitteln (Lokalanästhetika) oder gezielte Muskelentspannung unterbrochen werden.
Ausgelöst wird Schmerz durch das körpereigene Histamin, Temperaturen über 45 °C, zahlreiche von außen einwirkende chemische Stoffe, eine lokale Unterversorgung mit Nährstoffen (z. B. beim Raucherbein), physikalische Reizung eines Nerven (Neuralgie) und Entzündungsvorgänge, bei denen durch die Freisetzung von Botenstoffen die Erregungsschwelle der Schmerzrezeptoren herabgesetzt wird. Die Erregungsleitung des Oberflächenschmerzes besorgen markhaltige Nervenfasern (Geschwindigkeit 10–30m/s). Die Leitung des inneren Schmerzes erfolgt durch markarme Nervenfasern (1–2m/s). Nach einer Umschaltung im Rückenmark wird das Schmerzsignal in verschiedenen Regionen des Gehirns (z. B. Thalamus, Limbisches System) weiterverarbeitet. Soweit aus Verhaltensweisen abzulesen ist, verfügen Wirbeltiere und wohl auch Kopffüßer über die Möglichkeit, Schmerz wahrzunehmen; bei den Gliedertieren scheint diese Fähigkeit zu fehlen. Schmerztherapie, Analgetika.
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