Lexikon
südslawische Frage
das Problem, das sich mit den Autonomiebestrebungen der drei Nationalitäten der Slowenen, Kroaten u. Serben der Donaumonarchie im letzten Drittel des 19. Jh. bis zum 1. Weltkrieg stellte. Es war deshalb kaum lösbar, weil die Ziele der Südslawen widersprüchlich waren: Einerseits zeigten sie partikularist. Tendenzen, andererseits ein Streben nach Gemeinsamkeit. Kompliziert wurden die Verhältnisse noch dadurch, dass Slowenen u. Kroaten kath. waren u. in der abendländ. Kulturtradition standen, wogegen die griech.-orth. Serben sich den Russen verbunden fühlten. Während sich die Balkan-Gegensätze zwischen den Großmächten Russland u. Österreich–Ungarn mit der südslaw. Frage verschärften, führte diese zum Attentat von Sarajevo, das den 1. Weltkrieg auslöste. Mit der Proklamation des Königreichs der Serben, Kroaten u. Slowenen 1918 wurde die s. F. nur vorläufig gelöst. Die nationalen Gegensätze konnten nie endgültig beseitigt werden. Sie trugen schließl. 1991 zum Zerfall Jugoslawiens bei.
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