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März: Konkurrenzkampf um den Krippenplatz

Georg Petermann, Nürnberg

Dass es zu wenig Krippenplätze für Kleinkinder gibt ist ja bekannt. Weniger bekannt ist die lebenspraktische Seite des Ganzen, nämlich tatsächlich einen Platz zu ergattern.

Bei uns war das so: Für unsere zweijährige Tochter suchten wir einen Betreuungsplatz. Meine Frau wollte wieder halbtags als Apothekerin arbeiten, und das Kind hat sich mit Alterskollegen zu dem Zeitpunkt schon sehr gut unterhalten. So weit, so gut.

Eine staatliche Krippe konnten wir glatt vergessen: Es gibt kaum welche und die wenigen sind denen vorbehalten, die vom Leben schwer gebeutelt sind. Das ist bei uns glücklicherweise nicht der Fall. Also Ärmel hochgekrempelt und sich mit dem Thema „Elterninitiative“ vertraut gemacht. Meine Frau und ich haben uns tief in die Augen geschaut und uns versichert, dass wir das alles wollen: Regelmäßig für die ganze Kinderschar kochen, selbst putzen, Elternabende zu Hauf, Elterndienste – dafür aber auch nur doppelt so viel zahlen wie für einen staatlichen Kindergarten. Warum nicht? Unser Kind ist schließlich das Schönste und Wichtigste in unserem Leben! Also haben wir unsere Tochter in den Elterninis der Umgebung angemeldet – immerhin gibt es einige in der Großstadt. Und, unfassbares Glück, bei einer wurden wir zum Vorstellungsgespräch geladen.

So ein Gespräch ist aufregend. Erstmal sind alle anderen Bewerber-Eltern samt Sprösslingen anwesend, dann die Eltern der Initiative und die Erzieherinnen. Wir hocken in ungesunder Sitzhaltung auf den kleinen Stühlen. Schwierige Rahmenbedingungen also. Jetzt stellen sich die Bewerber reihum vor. Alle sind ganz scharf auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Privatinitiative. Manche freuen sich sogar aufs Putzen! Spätestens da sehen wir unsere Chance schwinden. Wir werden auch nicht optimistischer als es ums Kochen geht und die Elite der Bewerber-Eltern sich als Vollwert-Cracks herausstellen. Ich halte mit meiner Vorliebe für Gyros lieber hinter dem Berg.

Aber dann kommt unsere Stunde. Die Ämterverteilung im eingetragenen Verein steht zur Debatte. Der offenbar meistgehasste und gleichzeitig wichtigste Posten ist der Finanzvorstand. Das ist ein zentrales Amt, in dem es wegen der Förderungsanträge um Wohl und Wehe der ganzen Einrichtung geht. Eigentlich nichts für Neulinge, aber der Posten ist vakant. An diesem Punkt werden die Vollwert-Cracks ganz still. Ich aber als dröger Betriebswirt kann lässig einwerfen, dass ich das gern machen würde!

Wir haben den Platz bekommen. Unsere Tochter fühlt sich wohl. Und ich bin Finanzvorstand ...

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