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Heil Olympia!

Richard Steiger

Die Spiele 1936

"Der sportliche ritterliche Kampf weckt beste menschliche Eigenschaften. Er trennt nicht, sondern eint die Gegner in gegenseitigem Verstehen und beiderseitiger Hochachtung. Auch hilft er mit, zwischen den Völkern Bande des Friedens zu knüpfen. Darum möge die Olympische Flamme nie verlöschen."

Oh, Traumwelt eines unpolitischen Olympias, Utopie olympischen Friedens, Illusion des zweckfreien Kräftemessens fern von Rassenhass und politischem Kalkül. Aber die schöne Vision wird zu Albtraum. Gezeichnet ist obiges Zitat mit "Adolf Hitler", in seiner Position als oberster (Ver-) Führer des deutschen Volkes auch Schirmherr der olympischen Spiele von 1936, der Spiele von Berlin und Garmisch-Partenkirchen.

Woher, so stellt sich die Frage, die Begeisterung Hitlers für eine so "durchrasste" und internationale sportliche Veranstaltung auf heiligem deutschem Boden. Noch ein Jahr vor der Machtergreifung meldete sich z. B. der Völkische Beobachter kritisch zu Wort: "Neger haben auf der Olympiade nichts zu suchen... . So kann man leider erleben, dass der freie Mann oft sogar mit unfreien Schwarzen, mit Negern, um die Siegespalme kämpfen muss." Dass vier Jahre später mit dem US- Leichtathleten Jesse Owens ausgerechnet ein solcher "Neger" als erfolgreichster Athlet aus Berlin zurückkehrte, wird die Nazis zwar geärgert haben, aber die junge Diktatur hatte dazugelernt.

Die Spiele unter dem Hakenkreuz hatten dem Regime die Möglichkeit eröffnet in einem propagandistischen Gesamtkunstwerk die Weltöffentlichkeit über ihre aggressiven innen- und außenpolitischen Pläne hinwegzutäuschen. Alibi-Juden wurden in die deutsche Olympiamannschaft aufgenommen, Uniformen, Hakenkreuze und Marschmusik aus dem unmittelbaren Umfeld der Spiele verbannt und man wurde nicht müde in Reden und Berichterstattungen das Friedensmotiv zu unterstreichen. Das IOC erlag schnell dem Scheinbild olympischer Völkerverständigung und stellte Deutschland als ausrichtende Nation nie in Frage. Sogar Pierre de Coubertin ließ sich auf seine alten Tage noch als Fürsprecher und Symbolfigur olympischer Ideale vor den Karren nationalsozialistischer Propaganda spannen. Auch er glaubte Olympia in guten Händen.
Die Geschichte lehrt uns das Gegenteil.

Aus der Historie aber Lehren zu ziehen, war noch nie Stärke der Mächtigen. Olympia 2008 findet in Peking statt, so hat das IOC entschieden. Ob im Reich der Mitte auch der olympische Friede eine Heimstatt findet, bleibt abzuwarten.

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