wissen.de
Total votes: 65
wissen.de Artikel

Masern: Warum der Impfschutz so wichtig ist

In Berlin wüten die Masern und ein Ende der Infektionswelle ist nicht in Sicht. Während die Stadt jede Woche neue Fälle meldet, denken Politiker über die Möglichkeit einer Impfpflicht nach. Denn immer noch entscheiden sich manche Menschen ganz bewusst gegen die Immunisierung. Doch nur wenn ein genügend großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, können die Masern ausgerottet werden.

Farbige TEM-Aufnahme eines Masernvirus
TEM-Aufnahme (Transmissions-Elektronen- Mikroskopie) eines Masernvirus

Über 600 Kranke, fast 70 neue Fälle seit Beginn der vergangenen Woche: so lautet die Zwischenbilanz der aktuellen Masernwelle in Berlin. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres haben die Masern laut Robert Koch-Institut schon mehr Menschen erwischt als in ganz 2014. Und die Zahl der Ansteckungen steigt weiter an. Der größte Ausbruch seit Beginn der Meldepflicht 2001 bedeutet für viele den Ausnahmezustand. Eine Schule musste kurzzeitig komplett schließen, Kinderärzte raten dazu, Säuglinge zuhause zu betreuen, Eltern sind ängstlich – nicht zuletzt auch, weil die Epidemie bereits einem Menschen das Leben gekostet hat: ein eineinhalb-jähriger Junge ist an den Masern gestorben. Wie rund 90 Prozent der Erkrankten war das Kind nicht gegen die Masern geimpft.

Und ohne Impfschutz besteht kaum eine Chance, dem Virus zu entgehen. Denn Masernviren gehören zu den ansteckendsten Erregern überhaupt. Der Kontakt zu einem Erkrankten bedeutet meist die Ansteckung, sofern man nicht geimpft oder durch eine durchgemachte Masernerkrankung geschützt ist. Nur weil nach wie vor viele Menschen überhaupt nicht oder nicht ausreichend gegen die Masern geimpft sind, konnte sich das Virus also so schnell in der Berliner Bevölkerung verbreiten.

Gefährliche Impflücken

Gründe für diese Impflücken gibt es verschiedene. Teilweise haben Erwachsene schlicht versäumt, ihre Impfung im Alter auffrischen zu lassen. Manche Menschen dürfen sich hingegen gar nicht impfen lassen – zum Beispiel weil sie an einer Erkrankung des Immunsystems leiden. Und manche Eltern entscheiden sich ganz bewusst dagegen, ihre Kinder impfen zu lassen. Prozentual gesehen mag die Gruppe der strikten Impfgegner zwar klein sein. Nur circa ein Prozent der befragten Eltern einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung lehnen es ab, ihre Kinder impfen zu lassen. Doch zusammen mit den aus anderen Gründen Ungeschützten ergibt sich ein kleines, aber bedenkliches Defizit. Denn damit das Virus vollends gestoppt werden kann und die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist, müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung über einen ausreichenden Schutz gegen die Masern verfügen. Dann findet das Virus nicht mehr genügend Wirte um sich weiter zu vermehren und auszubreiten. Dieses Ziel ist hierzulande noch nicht geschafft, es fehlen wenige Prozente.

Impfnadel am Oberarm eines Kindes
Viele Bedenken gegen Impfungen fußen auf Mythen.
... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
DAL
Total votes: 65