Wahrig Herkunftswörterbuch

Märtyrer
Im religiösen Sinn ist das ursprünglich „(Gerichts)Zeuge“ bedeutende griech. martyr erstmals im Neuen Testament belegt. Dort bezeichnet es jemanden, der Zeugnis vom Leben Jesu gibt (z. B. einen Apostel). Nach den römischen Christenverfolgungen (von etwa 150 n. Chr. an) wurde das Wort zum Ehrentitel für jemanden, den man wegen seines Glaubens an Christus getötet hatte. Der „Zeuge“ war so zum kultisch verehrten „Blutzeugen“ geworden, und in dieser Bedeutung gelangte der Begriff über ahd. martirari als marteraere, merteraere ins Mittelhochdeutsche. Die nhd. Form Märtyrer (bzw. die oberdeutsche Variante Martyrer) ist eine im 16./17. Jahrhundert entstandene Wiederangleichung an das Griechische. Die ersten Märtyrer rissen niemanden mit in den Tod anders als die heutigen islamistischen Selbstmordattentäter, die sich dennoch als Märtyrer fühlen. Sie berufen sich dabei auf die dritte Sure des Korans, deren Auslegung jedoch unter Muslimen umstritten ist: „Wer für seinen Glauben gestorben ist, ist nicht tot, sondern lebt.“ Shahid, das arabische Wort für Märtyrer, bedeutete ursprünglich ebenfalls „Zeuge“.
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Wissenschaft

Gesunder Menschenverstand

Der gesunde Menschenverstand – im Englischen auch als Common Sense bekannt – hieß ursprünglich und bis zum 18. Jahrhundert allgemeiner Menschenverstand, was oftmals als gemeiner Menschenverstand verkürzt wurde und dabei Missfallen erregte. Denn wer wollte schon seinen Verstand für etwas Gemeines einsetzen? Und so kam man...

KI, Daten
Wissenschaft

Sprachmodelle made in Europe

Abschied von der Dominanz aus Übersee? Auch in Europa werden Chatbots entwickelt, das Musterbeispiel für Systeme mit Künstlicher Intelligenz. Die Basis soll aus eigenen Werten, Kulturen und Sprachen bestehen. von THOMAS BRANDSTETTER Aus welchen Dörfern besteht Söhrewald? Wer nicht gerade selbst in der 4.500-Seelen-Gemeinde...

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