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LEXIKON

Paulus

hebräisch Saulus
Apostel, der bedeutendste Missionar des Urchristentums, * um 10 n. Chr. Tarsus in Kilikien,  um 64 als Märtyrer in Rom; zumindest eine teilweise Rekonstruktion seines Lebens ermöglichen die wirklich von ihm geschriebenen Briefe (Paulusbriefe); aus jüdischer Familie, aber schon von Geburt an römischer Bürger. Wahrscheinlich in Jerusalem im Gesetz unterwiesen, war Paulus ein leidenschaftlicher Verfechter des jüdischen Gesetzes und verfolgte die Christen. Um 3335 kam er, wohl aufgrund einer Vision (Damaskuserlebnis), zum christlichen Glauben und wurde zum bedeutendsten Apostel Jesu, ohne diesen persönlich gekannt zu haben. Unmittelbar nach seiner Bekehrung begann Paulus mit seiner Missionstätigkeit. Erste Station war das Gebiet südöstlich von Damaskus (Arabien). Nach zwei Jahren unternahm er eine Reise nach Jerusalem; eine mehrjährige Missionstätigkeit in Syrien und Kilikien folgte; 13 Jahre nach der 1. Jerusalemreise war Paulus mit Barnabas beim „Apostelkonvent“ wieder in Jerusalem. Durch seine kompromisslose Verkündigung eines Evangeliums frei von Gesetzesbedingungen an die Adresse von Nichtjuden war Paulus in scharfen Gegensatz zum Judenchristentum der Urgemeinde gekommen. In Jerusalem gelang es Paulus, Petrus, Jakobus, den Bruder Jesu, und die Gemeinde von der Richtigkeit seiner Botschaft und Haltung zu überzeugen und damit die Einheit des frühen Christentums zu bewahren. Zypern, Kleinasien, Syrien, Kilikien, Makedonien und Achaia sind weitere Stationen seiner Missionstätigkeit. Längere Zeit verbrachte er in Korinth und Ephesos. Zahlreiche Gemeinden aus Juden und Heiden waren das Ergebnis. Die letzte Phase seiner Wirksamkeit führte ihn wieder nach Jerusalem. Dort erfolgte seine Verhaftung durch die römischen Behörden. Prozesse in Jerusalem und Caesarea führten nach 2 Jahren zur Deportation nach Rom und zur Verurteilung. Dort erlitt er wahrscheinlich unter Nero den Märtyrertod.
Die Bedeutung des Paulus für Kirche und Christentum ist kaum zu überschätzen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Botschaft von Jesus, seiner Kreuzigung und Auferstehung in die Vorstellungs- und Denkformen des Hellenismus gelang. Im Mittelpunkt seines christologischen Denkens steht Gott, der durch seine Liebe und Gnade, die in Jesus offenbar geworden ist, den Menschen aus seiner Verlorenheit, von Sünde und Tod befreit. Die paulinische Gnadenlehre übte besonders Einfluss auf Augustinus und M. Luther, im 20. Jahrhundert auf K. Barth aus. Fest: 29. 6.
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