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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Idiot:
Das griechische Adjektiv
idios
bedeutet „eigen“, „privat“, „eigentümlich“, das Substantiv
idiotes
heißt „Privatperson“, „Nichtkenner“.
Idiot
ist also ursprünglich die Bezeichnung für einen Privatmann im Gegensatz zur öffentlichen Person, den Laien im Gegensatz zum Fachmann gewesen. In dieser Bedeutung kam das Wort im 16. Jahrhundert ins Deutsche und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein verwendet, so etwa bei Goethe und noch in den Werken des Philosophen Hegel. Auch der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewskij zielt in seinem Roman „Der Idiot“ auf diese Etymologie. Ein Nachklang der ursprünglichen Wortbedeutung ist der Ausdruck
Idiotikon
für ein Mundartwörterbuch.
Im 16. Jahrhundert erschien
Idiot
im Englischen aber in juristischem Zusammenhang in der Bedeutung von „Eigenartiger“, also eine Person, die nicht alle geistigen Kräfte zusammenhat und damit unmündig war. Auf diesem Weg kam schließlich im 18. Jahrhundert auch im Deutschen die heute gebräuchliche, negative Bedeutung von „Irrer“, „Verrückter“ zustande. Beide Aspekte sind noch in der Vokabel
Idiotismus
zu erkennen. Das Wort bezeichnet zum einen eine sprachliche Besonderheit (zu
Idiom
) und zum anderen
Idiotie
im Sinn von Verrücktheit.
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