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Stäbchen, Uhrgeschenke und andere Fettnäpfchen

Selbst das umfassendste Handbuch über Sitten und Gebräuche in einem Land kann keine genaue Vorhersage zum Verhalten einer einzelnen Person liefern. So geht es auch hier bei allen beschriebenen Verhaltensweisen vorwiegend um Wahrscheinlichkeiten, die bei der Begegnung mit dem Fernen Osten zur Hypothesenbildung dienen können. Zumal der Ferne Osten sehr unterschiedliche Gebiete und Kulturen umfasst. Allein wenn wir uns hier auf China und Japan beschränken, ist zu präzisieren: Was für die Volksrepublik China gilt, hat nicht unbesehen auch für das zum einen Teil kosmopolitischere, zu einem anderen Teil traditionell-"chinesischere" Taiwan Gültigkeit und schon gar nicht für das durch seine hundertjährige Ära als Kronkolonie partiell britisch geprägte Hongkong. Dafür verhalten sich z.B. im Ausland ansässige Japaner dort mit großer Wahrscheinlichkeit ähnlich wie zu Hause. Korea, Singapur, Vietnam usw. haben teilweise untereinander und teilweise mit Japan oder China Ähnlichkeiten.  Sie können sich aber auch beachtlich unterscheiden.

aus der wissen.de-Redaktion

Der Ferne Osten ist also alles andere als monolithisch und eindeutig. Ein Beispiel: 87 % der Japaner gehören dem Shinto-Glauben an, 73 % dem Buddhismus. Diese Aussage enthält keinen Rechenfehler, sondern illustriert, dass die Religionen sich überlappen und mehr Lebensphilosophien sind als Glaubenssysteme. Verständlich wird Verhalten gerade im Fernen Osten durch seine Einbettung in die jeweilige Weltanschauung.

 

Hintergrundinformationen Fernost

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

 

Partnerschaftliche Strukturen

Japan

Das Bild der japanischen Frau, das in Europa vorherrscht, ist das eines sittsam lächelnden, in einen adretten Kimono gehüllten, zarten Wesens. Ein Klischee, das sich so nicht länger halten lässt. Japan ist seit geraumer Zeit im Umbruch. Es gibt durchaus Karrierefrauen im Land, die beruflich ihren "Mann" stehen. Dennoch gibt es auch das traditionelle, extreme Rollenverhalten. Der Tätigkeitsbereich des Mannes ist auf die Arbeit, den Broterwerb beschränkt, den Mittelpunkt des Lebens für die Japanerinnen stellt die Versorgung der Familie dar. Schuld daran haben wohl auch die Firmen, die wenig in die Ausbildung der Frauen investieren, da diese oft nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Berufsleben ausscheiden. Beförderungen der weiblichen Angestellten sind seltener und auch Führungspositionen werden trotz eines existierenden Gleichstellungsgesetzes weniger häufig mit Frauen besetzt.

 

China

Im 20. Jahrhundert hat die Rolle der Frau einen großen Wandlungsprozess durchlaufen. Die traditionellen konfuzianischen Vorstellungen vom Verhalten einer Frau in der Gesellschaft wurden spätestens unter der Regierung von Mao gründlich überdacht. Allerdings wurde auch starker Einfluss auf die Familie ausgeübt. Wer mehr als zwei Kindern das Leben schenkte, musste mit Restriktionen rechnen. Mao forderte 1949: "Schließt euch zusammen, nehmt teil an der Produktion und an der politischen Tätigkeit, damit die wirtschaftliche und politische Stellung der Frauen verbessert wird."

 

Um eine große sozialistische Gesellschaft zu erbauen, meinte der Große Vorsitzende, sei es äußerst wichtig, "die breiten Massen der Frauen für die Teilnahme an der Produktionstätigkeit zu mobilisieren". In der Produktion müsse bei Männern und Frauen der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" verwirklicht werden. Nur im Prozess der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft als Ganzes ist eine echte Gleichberechtigung von Männern und Frauen realisierbar. Das Bildungsgefälle der Frauen zwischen Stadt und Land allerdings ist in China nach wie vor sehr groß.

 

 

 

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