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Sterbehilfe: Ausweg aus dem Leid oder sanktionierte Tötung?

Darf ein todkranker Mensch andere darum bitten, seinem Leben ein Ende zu setzen? Darf er sich von Ärzten oder Angehörigen beim Selbstmord helfen lassen – und wie weit? Um diese Fragen zur Sterbehilfe geht es heute in einer ausführlichen Debatte im Bundestag. Die Meinungen sind geteilt – auch in der Bevölkerung.

Hand mit Tabletten
Ab wann ist eine Hilfe zum Suizid strafbar?

Vor wenigen Tagen beging in den USA die 29-jährige Britanny Maynard Selbstmord. Sie war an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt und hatte nur noch wenige Monate zu leben. Um sich den Todeskampf zu ersparen, ließ sie sich von einem Arzt in Oregon, wo die ärztliche Sterbehilfe erlaubt ist, tödliche Tabletten verschreiben und beging am 1. November Freitod. Kurze Zeit zuvor hatte sich der 70-jährige frühere MDR-Intendant Udo Reiter erschossen, der seit einem Autounfall im Rollstuhl saß. Er wolle nicht als Pflegefall enden, dement werden oder künstlich ernährt werden, schrieb er zur Begründung.

Angst vor Leid oder vorschneller Ausweg?

Diese Fälle ereignen sich zu einer Zeit, in der das Thema Sterbehilfe für Kranke kontrovers diskutiert wird. Viele Menschen haben Angst, im Falle einer schweren Krankheit ein langes Siechtum mit unerträglichen Schmerzen erleiden zu müssen. Gerade bei unheilbaren Krankheiten wie beispielsweise Krebs im Endstadium wünschen sie sich daher, ihr Leiden selbstbestimmt beenden zu können. Demgegenüber fürchten andere, dass dann vielleicht auch depressive Phasen zu vorschnellen Suiziden führen könnten oder dass gerade bei älteren Patienten eine zweifelhafte Rücksicht auf Angehörige sie dazu bringen könnte, ihr Leben vorzeitig beenden zu wollen.

Erst kürzlich ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, dass 67 Prozent aller Deutschen dafür sind, eine aktive Sterbehilfe zuzulassen. Ein schwerkranker Mensch soll dabei auf eigenen Wunsch hin von einem Arzt eine tödliche Spritze oder Tablette bekommen dürfen, ohne dass dieser betraft wird. Diese positive Einstellung zur aktiven Sterbehilfe findet sich selbst bei vielen Kirchenmitgliedern.

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