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Sternenhimmel im April 2019

Stellare Raubtiere, Sternschnuppen und das Oster-Paradox

Im April werden die Nächte zwar schon deutlich kürzer, der Nachthimmel hat aber dennoch Einiges zu bieten. So leuchten in diesen Wochen zwei große Himmelsraubtiere in voller Pracht: der Löwe und der Große Bär. Kurz nach Ostern gibt es zudem einen Sternschnuppen-Regen. Und dann ist da noch die spannende Frage, warum Ostern in diesem nicht schon im März lag.

Mit dem April wird es endgültig Frühling am Himmel. Die Sonne steht Anfang des Monats schon 13 Stunden am Himmel, Ende April werden es sogar 14,5 Stunden sein. Für Sternengucker bleibt damit zwar weniger Zeit, um den Nachthimmel zu betrachten. Doch was sich dort tut, lohnt durchaus einen Blick.

Sternbilder und Frühlingsdreieck im April
Im April steht der Löwe hoch im Süden und der Große Bär im Zenith.
Zwei Raubtiere dominieren den Himmel

Am Sternenhimmel dominieren zurzeit zwei helle, vielen bekannte Sternbilder: der Löwe und der Große Bär. Beide stehen im April hoch am Himmel – der Löwe thront hoch im Süden, der Große Wagen hängt falschherum hoch im Norden des Firmaments. Der rechteckige Rumpf des Löwen wird von vier hellen Sternen gebildet, an die sich eine gebogene Linie von fünf etwas lichtschwächeren Sternen anschließt. sie bilden Hals und Kopf des kosmischen Raubtieres. Schon die Babylonier, Griechen und wahrscheinlich auch die Ägypter sahen in dieser Sternen-Anordnung einen Löwen.

Vom Großen Bären kennen die meisten von uns nur seinen auffälligsten Teil: den Großen Wagen. Seine Deichsel besteht aus dem gebogenen Sternenschwanz des Bären, sein Wagenkasten aus dem Rumpf des Raubtiers. Bekannt ist der Große Wagen vor allem deshalb, weil er ein praktischer Wegweiser zum Polarstern und damit für die Nordrichtung ist. Verlängert man die hintere Achse des Wagens etwa um das Fünffache, stößt man auf "Stella Polaris" – den Polarstern.

Radiant des Lyriden-Meteoritenschauers
Der scheinbare Ursprung des Lyriden-Schauers liegt in der Nähe des Sternbildes Leier.
Meteorschauer

Nach einer langen Pause ohne Sternschnuppen bringt uns der April endlich wieder einen Meteorschauer – die Lyriden. Sie tragen ihren Namen, weil sie aus dem Sternbild Leier zu kommen scheinen.  Dieses Sternbild geht etwa gegen 22:00 Uhr im Nordosten auf. In Wahrheit aber handelt es sich bei den Sternschnuppen um Staubreste des Kometen Thatcher, der nur alle 415 Jahre einmal in Sonnennähe vorbeikommt.

In diesem Jahr liegt der Höhepunkt des Lyriden-Schauers auf dem 23. April. In dieser Zeit könnten immerhin zehn bis 20 Sternschnuppen pro Stunde am Himmel sichtbar sein. Aber auch in den Nächten davor und danach lohnt ein Blick in den Himmel. Denn der Meteorschauer ist zwei Wochen lang aktiv. Etwas störend bei der Sternschnuppen-Jagd könnte diesmal allerdings der Mond werden. Denn wir haben am 19. April Vollmond, so dass es auch in den Nächsten darauf noch ziemlich helles Mondlicht geben wird.

Was Ostern mit dem Mond zu tun hat

Eigentlich sind die Regeln klar: Die christlichen Kirchen feiern Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Dies geht darauf zurück, dass Jesus Christus der Überlieferung nach am Vorabend des jüdischen Pessach-Festes gekreuzigt wurde – und das Datum dieses jüdischen Feiertags richtete sich nach dem Mondkalender. Im Jahr 325 haben die Bischöfe dieses Prinzip auch für das christliche Osterfest übernommen.

Seither ist Ostern nicht immer genau zur gleichen Zeit im Jahr, sondern liegt mal Ende März, dann wieder Anfang oder Mitte April. Der Grund dafür: Die Zeiten des Vollmonds verschieben sich gegenüber unserem Kalender – und ausschlagend ist immer der erste Vollmond, der ab dem offiziellen Frühlingsanfang auftritt. Um das Osterdatum schon Jahre im Voraus zu ermitteln, nutzt die Kirche einen astronomisch-mathematischen Algorithmus, den schon der Mathematiker Carl-Friedrich Gauß im 19. Jahrhundert entwickelte.

Verkauf von Osterzweigen am Münchner Viktualienmarkt
Ostersträuße aus Weidenkätzchen, Buchsbaum oder Olivenzweigen symbolisieren nicht nur die Freude über das Wiedererwachen der Natur im Frühling, sondern auch die Palmenzweige, mit denen Christus beim Einzug in Jerusalem begrüßt wurde, und seine Wiederauferstehung Christi.

Dieses Jahr ist es anders

Das Merkwürdige nun: Im Jahr 2019 hat die Kirche gegen ihre eigenen Regeln verstoßen – zumindest scheint es so. Denn der Frühlingsanfang war in diesem Jahr am 20. März gegen 22:58 Uhr und vier Stunden später herrschte Vollmond. Eigentlich hatten wir demnach schon Mitte März unseren ersten Frühlingsvollmond – und Ostersonntag hätte daher am 24. März sein müssen. Stattdessen aber liegt Ostern dieses Jahr auf dem 21. April und damit besonders spät.

Wie ist das zu erklären? Ein Grund ist eine weitere Kirchenregel. Sie legt nämlich fest, dass der Frühlingsanfang immer auf den 21. März fällt – unabhängig von den astronomischen Gegebenheiten. Obwohl die Sonne in den nächsten rund 100 Jahren immer schon am 20. März den Frühlingspunkt passiert, bleibt für die Kirche damit der 21. März der offizielle Frühlingsanfang. Hinzu kommt, dass die Kirche nicht den genauen Zeitpunkt des tatsächlichen Vollmonds nimmt, sondern die Zeit, die in speziellen Vorhersagetabellen festgeschrieben ist.

Und genau diese Abweichungen kommen in diesem Jahr voll zum Tragen: Auch wenn der Vollmond astronomisch gesehen der erste Frühlingsvollmond war, ist er dies für die Kirche nicht. Denn ihren Regeln und der Vorhersagetabelle nach erreichte der Erdtrabant schon vor dem Frühlingsanfang seine volle Pracht. Deshalb ist Ostern in diesem Jahr erst am 21. April und damit nach dem zweiten Frühlingsvollmond.

NPO, 05.04.2019
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