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Supply Chain Management - Schlüsselrolle für die Logistikbranche

Was früher schlicht Wertschöpfungskette hieß und damit eine Idee vermittelte, worum es ging, heißt heute Supply Chain. Dahinter verbirgt sich die Lieferkette, die von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling reichen kann. Da einzelne Arbeitsschritte in der Regel von spezialisierten Firmen abgewickelt werden, sind - je nach Produkt - sehr viele an dieser Supply Chain beteiligt. Und genau da greift das Supply Chain Management, das mit zunehmender Spezialisierung und fortschreitendem Outsourcing immer wichtiger wird. Es gilt diese komplexe Verzahnung mehrerer Firmen möglichst schnell, effektiv und kostengünstig zu planen: die Königsaufgabe der globalisierten Wirtschaft. Die Erwartungen an das Supply Chain Management sind unverändert hoch. Eine moderne Logistikkette soll schnell, reibungslos und unternehmensübergreifend auf Nachfrageschwankungen, wechselndes Kundenverhalten und Marktveränderungen abgestimmt werden können, um dadurch Kosten und Abläufe zu optimieren.

© transport logistic 2005

Wertschöpfungskette im Mittelpunkt
Steigender Wettbewerbsdruck durch zunehmende Globalisierung, eine verstärkte Dynamik der Märkte sowie ungewisse Kundenloyalität bei wachsenden Ansprüchen führt zu immer höheren Anforderungen an die Unternehmen. Während diese in der Vergangenheit zumeist ihre Funktionen (Beschaffung, Produktion, Absatz) optimiert haben, müssen heute zunehmend horizontale Netzwerke aufeinander abgestimmt werden. Die Ziele sind Kostensenkung, Verringerung von Durchlaufzeiten und die Verbesserung der Produkt- sowie Servicequalitäten. Im Mittelpunkt steht die logistische Wertschöpfungskette, wodurch der Logistik eine zentrale Rolle zukommt.

Koordination und Steuerung
Um sich Wettbewerbsvorteile auf dem Markt zu verschaffen, müssen alle Akteure die Schwierigkeiten entlang der gesamten Versorgungskette vom Lieferanten bis zum Endverbraucher unternehmensübergreifend meistern. Dem Supply Chain Management kommt dabei die Aufgabe der Koordination der Funktionen innerhalb einer Firma sowie der überbetrieblichen Steuerung rechtlich selbständiger Unternehmen unter Verwendung geeigneter Planungs- und Kommunikationstechnologien zu. Davon erhoffen sich viele Unternehmen ein enormes Potenzial zur Kostenoptimierung.

Speziell in der Logistikbranche führt der steigende Wettbewerbsdruck zu immer kürzeren Lieferfrequenzen, immer kleineren Sendungsgrößen, einer breiteren Variantenvielfalt und kürzeren Order-to-Delivery-Zeiten. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Schnittstellen und der Sendungskonsolidierungen in der Transportkette. Der Kostendruck hingegen bleibt und veranlasst die Unternehmen zu Einsparungsmaßnahmen wie Outsourcing von Transportdienstleistungen oder die Reduktion von Lagerbeständen.

Weniger Kosten und doch mehr Qualität?
Ob Kostenreduzierung und Qualitätssteigerung gleichzeitig möglich sind, hängt nicht von einem Akteur der Lieferkette alleine ab. Daher ist ein zentraler Bestandteil des Supply Chain Managements die sogenannte Collaboration: Die strategische, taktische und operative Planung integriert interne Bereiche sowie externe Partner. Voraussetzung hierfür ist ein reibungsloser Informationsfluss, ermöglicht durch die weltweite Vernetzung über das Internet. Im Vordergrund der Zusammenarbeit steht der Einsatz von IT-Systemen. Nur mit entsprechender Software ist der schnelle Informationsaustausch und die Planung über eine komplexe Kette hinweg möglich: „Mit der zunehmenden Fragmentierung der Wertschöpfungskette steigt nicht nur die Bedeutung des Informationsaustausches, der kollaborativen Planung und der gemeinsamen Geschäftsentwicklung, sondern auch die Bedeutung eines unternehmensübergreifenden Wissenstransfers“, so Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, Lehrstuhlinhaber des Bereichs Logistik an der Technischen Universität in Berlin.

Wichtiges Zukunftsthema bleibt unter anderem, wer optimalerweise die Supply Chain steuert und ob überhaupt ein netzwerkübergreifendes Gesamtoptimum - von dem alle Beteiligten des Wertschöpfungsprozesses profitieren - erreicht werden kann. Experten schätzen, dass derzeit die Eigeninteressen der beteiligten Akteure noch zu stark ausgeprägt sind, als dass ein Gesamtoptimum im Netzwerk erreicht werden könnte. Für die Wahrung der unterschiedlichen Interessen gibt es verschiedene Lösungsvorschläge, wie zum Beispiel die Gründung eines Joint Ventures. Dennoch stellen die Kosten, insbesondere für kleinere Unternehmen, oft eine Hemmschwelle dar.

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