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Gentechnik: Wie sicher sind unsere Nahrungsmittel?

Über Risiken und Vorzüge gentechnisch veränderter Lebensmittel

Die EU-Kommission sieht vor, die Regeln für den Import gentechnisch veränderter Lebensmittel zu lockern. Nachdem sie 2011 bereits weichere Einfuhrbestimmungen für genmanipulierte Futtermittel durchgesetzt hat, wäre dies ein weiterer Schritt zur Öffnung gegenüber der umstrittenen Technologie. Tatsächlich sind wir dieser in Europa schon längst ausgesetzt.

Risiken unüberschaubar

Gemüseauslage
Gemüse

Alles frei von Gentechnik? Experten schätzen, dass 70 Prozent unserer Nahrungsmittel bereits mit Gentechnik in Berührung gekommen sind.

Mit ihrem strikten Nein zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln findet Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) parteiübergreifend Zustimmung. Konkrete Forschungsergebnisse über die Auswirkungen auf die Gesundheit liegen zwar noch nicht vor – laufende Langzeitstudien dazu sind noch nicht abgeschlossen. Breite Einigkeit herrscht jedoch darin, dass die Risiken unüberschaubar seien.

So steht zu befürchten, dass die Proteine in gentechnisch veränderten Pflanzen nach dem Verzehr Allergien auslösen. Dies gilt insbesondere für solche, die Insektizide produzieren. Allerdings: „Die neuartigen Proteine werden auf Eigenschaften bekannter allergener Proteine hin geprüft“, versichert Susanne Stirn vom Forschungsschwerpunkt Biotechnologie, Gesellschaft und Umwelt (FSP BIOGUM) der Uni Hamburg. „Diese Prüfung liefert zwar nicht immer eindeutige Ergebnisse, im Zweifelsfall werden die neuen Pflanzen aber dann nicht zugelassen.“

Etwas unübersichtlicher wird es bei den Auswirkungen auf die Umwelt durch den Anbau dieser Art von Genpflanzen. „Hier sind die Diskussionspunkte vor allem, ob das Insektizid wirklich nur die betreffenden Schädlinge tötet oder auch anderen Insekten schadet“, erklärt Stirn. Das Problem hierbei sei, dass sich die Ergebnisse von Laborversuchen nicht ohne Weiteres aufs Freiland übertragen ließen. „So ist zum Beispiel schwer zu sagen, ob die Schädlinge überhaupt den genveränderten Mais fressen, wenn andere Futterpflanzen verfügbar sind.“

Viel diskutiert ist außerdem, inwieweit Ökosysteme generell durch den Anbau von Genpflanzen aus dem Gleichgewicht geraten. Einmal ausgesät könnte sich eine veränderte Art mit ihrem Wildtypen kreuzen – etwa genmanipulierter Raps mit seinem wilden Pendant – und eine neue Art hervorbringen, die zum Beispiel anderen Pflanzen die Nährstoffgrundlage raubt. Damit würde auch in der Tierwelt die Nahrungskette auseinanderbrechen.

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, August 2012
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