Steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass viele Haushalte ihre laufenden Ausgaben überprüfen. Auch Versicherungen können dabei einen Blick wert sein. Allerdings bedeutet Sparen bei Versicherungen nicht zwangsläufig, Verträge zu kündigen oder auf wichtigen Versicherungsschutz zu verzichten. Häufig lassen sich Beiträge bereits durch Tarifwechsel, angepasste Vertragsdaten oder eine andere Zahlweise reduzieren.
Alte Tarife regelmäßig überprüfen
Versicherer überarbeiten ihre Tarife und Bedingungen regelmäßig. Bestehende Verträge werden jedoch nicht automatisch auf ein neues Tarifwerk umgestellt. Gerade bei älteren Sachversicherungen wie Kfz-, Haftpflicht- oder Hausratversicherungen kann es deshalb sinnvoll sein, beim Versicherer nach einer günstigeren Tarifgeneration zu fragen.
Dabei sollte nicht allein der Preis ausschlaggebend sein. Entscheidend ist, ob der neue Tarif mindestens einen vergleichbaren Versicherungsschutz bietet. Auch Bündelrabatte für mehrere Verträge bei einem Anbieter sollten Verbraucher nicht ungeprüft akzeptieren. Ein Rabatt bedeutet nicht automatisch, dass die Gesamtkosten niedriger sind als bei mehreren unterschiedlichen Versicherern.
Besonders bei der Kfz-Versicherung gibt es Stellschrauben
Bei Kfz-Versicherungen können sich die Beiträge verschiedener Anbieter für dasselbe Fahrzeug deutlich unterscheiden. Ein regelmäßiger Vergleich kann sich deshalb lohnen. Doch auch innerhalb eines bestehenden Vertrages gibt es Möglichkeiten, den Beitrag zu beeinflussen. Dazu gehören unter anderem die Höhe der Selbstbeteiligung, die vereinbarte jährliche Fahrleistung, der Fahrerkreis und eine mögliche Werkstattbindung.
Auch die Frage, ob weiterhin eine Voll- oder Teilkaskoversicherung erforderlich ist, sollte abhängig vom Alter und Wert des Fahrzeugs regelmäßig geprüft werden. Wer beispielsweise dauerhaft weniger Kilometer fährt als ursprünglich angegeben, kann durch eine Anpassung der Fahrleistung unter Umständen seinen Beitrag reduzieren.
Ältere Autofahrer sollten Beiträge besonders vergleichen
Das Alter des Fahrers fließt ebenfalls in die Beitragsberechnung der Kfz-Versicherung ein. Dadurch können die Kosten im höheren Alter steigen. Umso wichtiger ist es für ältere Versicherte, Vertragsdaten wie Kilometerleistung, Fahrerkreis oder Selbstbeteiligung regelmäßig zu überprüfen.
Eine weitere mögliche Gestaltung besteht darin, das Fahrzeug über ein erwachsenes Kind zu versichern und den bisherigen Halter weiterhin als Fahrer einzutragen. Ob das tatsächlich günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab.
Auch eine Übertragung von Schadenfreiheitsjahren auf Kinder ist grundsätzlich möglich. Dabei gelten jedoch Grenzen: Übernommen werden können üblicherweise höchstens so viele schadenfreie Jahre, wie das Kind seit Erwerb des Führerscheins selbst hätte sammeln können. Zudem ist die Übertragung endgültig und sollte deshalb genau geprüft werden.
Mietwagen im Ausland: Bestehenden Schutz prüfen
In vielen deutschen Kfz-Haftpflichtversicherungen ist eine sogenannte Mallorca-Police enthalten. Sie kann bei Mietwagenfahrten im europäischen Ausland relevant werden.
Hintergrund ist, dass die gesetzlichen Mindestdeckungssummen in anderen Ländern niedriger ausfallen können als in Deutschland. Die Mallorca-Police kann den Haftpflichtschutz des Mietwagens auf das Niveau der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung erweitern.
Vor dem Abschluss zusätzlicher Versicherungsbausteine beim Mietwagenanbieter lohnt sich deshalb ein Blick in die eigenen Versicherungsbedingungen.
Jährliche statt monatliche Zahlung kann günstiger sein
Auch die Zahlungsweise kann sich auf die Versicherungsprämie auswirken. Wer Beiträge jährlich statt monatlich bezahlt, kann bei einigen Versicherern einen Nachlass erhalten. Laut dem zugrunde liegenden Artikel sind gegenüber monatlicher Zahlung häufig Einsparungen von rund vier Prozent möglich.
Bei einem einzelnen kleinen Vertrag fällt die Ersparnis kaum ins Gewicht. Über mehrere Versicherungen hinweg kann sich jedoch ein größerer Betrag ergeben.
Damit die jährliche Zahlung das Haushaltsbudget nicht plötzlich belastet, kann der Jahresbeitrag rechnerisch auf zwölf Monate verteilt und monatlich auf einem separaten Konto zurückgelegt werden.
Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung kann überprüft werden
Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte eine mögliche Beitragsersparnis nicht isoliert betrachtet werden. Vertragsbedingungen und Höhe der Absicherung spielen hier eine zentrale Rolle.
Dennoch kann es Situationen geben, in denen eine Überprüfung sinnvoll ist. Wer die Versicherung beispielsweise ursprünglich in einem körperlich belastenden Beruf abgeschlossen hat und inzwischen einer Bürotätigkeit nachgeht, kann prüfen, ob der Versicherer eine günstigere Berufsgruppe berücksichtigt.
Auch die Art der Überschussverwendung kann Auswirkungen auf den laufenden Beitrag haben. Bei der sogenannten Beitragsverrechnung werden Überschüsse unmittelbar genutzt, um den zu zahlenden Beitrag zu reduzieren.
Wichtig ist allerdings: Ein bestehender Berufsunfähigkeitsschutz sollte nicht vorschnell gekündigt werden. Ein Neuabschluss kann aufgrund eines höheren Eintrittsalters oder zwischenzeitlich aufgetretener Erkrankungen deutlich schwieriger oder teurer sein.
Krankenkassen unterscheiden sich beim Zusatzbeitrag
Auch bei gesetzlichen Krankenkassen bestehen Beitragsunterschiede. Der allgemeine Beitragssatz ist gesetzlich festgelegt, beim Zusatzbeitrag können die Krankenkassen jedoch voneinander abweichen.
Ein niedriger Zusatzbeitrag kann deshalb zu einer Ersparnis führen. Er sollte allerdings nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Auch Zusatzleistungen, Bonusprogramme und Serviceangebote unterscheiden sich zwischen den Krankenkassen.
Ein großer Teil der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ist ohnehin gesetzlich vorgeschrieben und deshalb kassenübergreifend identisch.
Nicht jede Versicherung muss dauerhaft bestehen
Eine weitere Möglichkeit zur Kostensenkung besteht darin, den tatsächlichen Versicherungsbedarf regelmäßig zu überprüfen. Dabei sollte zwischen existenziellen Risiken und finanziell überschaubaren Schäden unterschieden werden.
Eine hilfreiche Frage lautet: Könnte der Versicherte den möglichen Schaden aus eigenen Mitteln tragen? Ist das nicht möglich, kann eine Versicherung besonders wichtig sein. Ist der Schaden dagegen problemlos selbst finanzierbar, kann geprüft werden, ob der Versicherungsschutz weiterhin benötigt wird.
Das kann beispielsweise bei kleineren Zusatz- oder Spezialversicherungen relevant sein. Dagegen sollten Verträge zur Absicherung existenzieller Risiken nicht allein aus Spargründen aufgegeben werden.
Doppelversicherungen nach dem Zusammenziehen vermeiden
Auch Veränderungen im Privatleben können Einsparpotenzial schaffen. Ziehen zwei Menschen zusammen, bestehen beispielsweise Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherungen möglicherweise doppelt.
Bei Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen kann häufig ein gemeinsamer Vertrag ausreichen. Bei der Hausratversicherung führt eine Doppelversicherung zudem nicht automatisch zu einer doppelten Entschädigung.
Nach einem Umzug oder einer Haushaltszusammenlegung lohnt sich deshalb eine Bestandsaufnahme aller bestehenden Verträge.
Fazit
Wer seine Versicherungskosten senken möchte, muss nicht automatisch Leistungen streichen. Häufig liegt das größte Potenzial in der regelmäßigen Überprüfung bestehender Verträge.
Neue Tarifgenerationen, realistische Kilometerangaben, eine passende Selbstbeteiligung, die jährliche Zahlweise oder das Zusammenlegen doppelter Verträge können die laufenden Kosten reduzieren. Entscheidend bleibt jedoch, Preis und Leistung gemeinsam zu betrachten. Ein günstigerer Vertrag ist nur dann eine Verbesserung, wenn der benötigte Versicherungsschutz erhalten bleibt.
Autor: Bastian Kunkel
Gründer & Geschäftsführer
VMK Versicherungsmakler GmbH (Marke: Versicherungen mit Kopf)
Bastian Kunkel betreibt unter der Marke „Versicherungen mit Kopf“ deutschlandweit die größten unabhängigen Versicherungs-Kanäle auf YouTube, Instagram und TikTok mit über 980.000 Followern. Dort erklärt er – vor allem in Videoform – die komplexe Welt der Versicherungen. Er ist Jungmakler Award Gewinner 2017, Bildungspreisträger 2018 und Spiegel-Bestseller-Autor. Bastian Kunkel ist gelernter Kaufmann für Versicherungen & Finanzen, besitzt einen Bachelor in Betriebswirtschaft & Recht (FH) und ist zudem studierter Finanzfachwirt (FH). Sein Unternehmen VMK Versicherungsmakler GmbH (Versicherungen mit Kopf) ist der bestbewertete Versicherungsmakler bei Google in Deutschland mit über 2.000 5-Sterne-Bewertungen und bietet deutschlandweite Online-Beratungen an.
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