Kostenfalle Girokonto?
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Kostenfalle Girokonto?

Foto: Foto: Kızıl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer sich unter Verwandten und Freunden umhört, stellt schnell fest: Wie viel ein Girokonto kostet, ist ganz unterschiedlich. Für den einen ist ein kostenloses Girokonto samt gebührenfreier Kreditkarte selbstverständlich, der andere zahlt im Monat allein für die Kontoführung vier oder fünf Euro. Doch wie kommen diese…

Wer sich unter Verwandten und Freunden umhört, stellt schnell fest: Wie viel ein Girokonto kostet, ist ganz unterschiedlich. Für den einen ist ein kostenloses Girokonto samt gebührenfreier Kreditkarte selbstverständlich, der andere zahlt im Monat allein für die Kontoführung vier oder fünf Euro. Doch wie kommen diese Preisunterschiede eigentlich zustande?

Welche Kontomodelle und Banken gibt es?

Viele Banken, vor allem Filialbanken, bieten unterschiedliche Kontomodelle nach ähnlichem Muster an. Das Standardkonto, zum Teil als klassisches Girokonto bezeichnet, ist für Kunden gedacht, die die Filiale besuchen und persönlich am Schalter bedient werden möchten. Das Onlinekonto richtet sich an Kunden, die in erster Linie Onlinebanking nutzen. Zudem gibt es sogenannte Premiumkonten, bei denen gegen eine meist höhere Grundgebühr besonders viele Leistungen eingeschlossen sind.

Wie viel ein Konto kostet, hängt zum Teil auch davon ab, bei welcher Art von Bank ein Kontoinhaber Kunde ist. Direktbanken unterhalten anders als Filialbanken kein kostspieliges Filialnetz und bieten daher oft besonders günstige oder kostenlose, auf die Nutzung per Onlinebanking ausgelegte Girokonten an.

Was kostet ein Girokonto?

Wie viel ein Girokonto kostet, lässt sich wegen der verschiedenen Kontomodelle und Nutzungsgewohnheiten nicht pauschal beantworten. Eine Berechnung der Finanzredaktion von CHECK24 zeigt an einem Beispielkunden, dass bei der Nutzung eines klassischen Girokontos bei einer Filialbank im Jahr mehr als 200 Euro Gebühren zusammenkommen können. Würde derselbe Kunde sein Konto online bei einer Direktbank führen, käme er mit teils weniger als zehn Euro im Jahr weitaus billiger davon.

Doch ob Filial- oder Direktbank: Laut Experten von Finanztest sollte ein Girokonto im Jahr nicht mehr als 60 Euro kosten. Da sich die Gesamtkosten aus vielen Einzelposten zusammensetzen, ist für den Kontoinhaber allerdings oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie viel er für sein Konto zahlt. Wo fallen die meisten Kosten an?

Gebühr für die Kontoführung

Da wäre zum einen die Kontoführungsgebühr: Bei Standardkonten beträgt sie oft zwischen drei und fünf Euro monatlich, bei Premiumkonten schon mal bis zu zehn Euro. Im Jahr kommen so zum Teil um die 50, in Einzelfällen auch mehr als 100 Euro zusammen – die Kontoführungsgebühr macht oft den größten Teil der Kontokosten aus. Bei Onlinekonten allerdings ist sie häufig kostenlos.

Wer ein Konto ohne Kontoführungsgebühr sucht, sollte genau hinschauen. Manchmal macht das Wörtchen "bedingungslos" den Unterschied: Bei einigen Banken ist die Kontoführung nur dann kostenlos, wenn auf dem Konto jeden Monat Gehalt, Rente oder BAföG-Zahlungen eingehen – zum Teil setzen Banken eine Mindesthöhe voraus.

Teure Karten?

Neben der Kontoführungsgebühr können auch Kosten für die Girocard und Kreditkarte anfallen: Eine kostenlose Karte zum bargeldlosen Bezahlen an Ladenkassen oder zum Geldabheben ist zwar meist Standard. Einzelne Banken verlangen für die von vielen immer noch EC-Karte genannte Plastikkarte allerdings eine Gebühr, beispielsweise zehn Euro im Jahr.

Eine zusätzliche Kreditkarte kostet bei einigen Instituten ebenfalls Gebühren, andere bieten sie dagegen zum Nulltarif an - das ist insbesondere bei Direktbanken häufig der Fall. Aber Achtung: Bei manchen Banken ist die Kreditkarte nur im ersten Jahr kostenlos.

Vorsicht bei Einzelabrechnung!

Die Stromrechnung bezahlen, Schulden bei einem Freund begleichen, Abbuchungen für mit Karte bezahlte Einkäufe im Supermarkt: Im Monat kommen schnell 20 bis 30 Gut- und Lastschriften zusammen. Die sind meist kostenlos - doch bei Konten mit Einzelabrechnung verlangen die Banken Geld für jede einzelne Kontobewegung.

Das können beispielsweise 40 Cent sein – 300 Buchungen kosten dann im Jahr 120 Euro. Bei Überweisungen unterscheiden einige Banken danach, wie Kunden diese in Auftrag geben: Für beleghafte Überweisungen, Aufträge auf einem Überweisungsträger aus Papier, berechnen sie Gebühren, für Online-Überweisungen nicht.

Wie viel kostet das Abheben am Automaten?

Zusätzliche Kosten können auch am Automaten anfallen: Bargeldabheben an eigenen Automaten ist bei den meisten Banken kostenlos, bei vielen zusätzlich innerhalb eines Automatenverbundes wie dem Sparkassen-Verbund oder der Cash Group. Einige Banken haben die Zahl der kostenlosen Abhebungen im Monat allerdings begrenzt.

Und wer an Automaten außerhalb des eigenen Verbunds abhebt, wird in vielen Fällen ab der ersten Abhebung zur Kasse gebeten. Ein Beispiel: Vier Abhebungen von je 100 Euro an Fremdautomaten kosten bei 2,50 Prozent oder mindestens fünf Euro Gebühr in Summe 20 Euro. Kunden von Direktbanken ohne eigenes Automatennetz können in vielen Fällen mit der zum Girokonto gehörenden Kreditkarte an Automaten mit dem Logo eines Kreditkartenanbieters wie Visa oder Mastercard gebührenfrei Bargeld abheben.

Achtung, Dispozinsen!

Wer im Ausland Bargeld mit der Kreditkarte abheben will, muss häufig ebenfalls mit anfallenden Gebühren rechnen: Meist berechnen Banken einen bestimmten Prozentsatz des Abhebe- oder Rechnungsbetrags, wobei sie oft einen Mindestbetrag ansetzen. Zum Teil ist das Abheben und Bezahlen mit Kreditkarte in Euro kostenlos, nur in Nicht-Euro-Ländern fallen Gebühren an. Üblich sind Entgelte von beispielsweise 1,75 Prozent. Dadurch entstehen beim Abheben von 200 Euro Kosten von 3,50 Euro.

Rutscht der Kontostand unter null, berechnet die Bank außerdem Dispozinsen – laut Finanztest in Deutschland durchschnittlich 9,72 Prozent. Wer einmal im Jahr für 20 Tage mit 600 Euro ins Minus gerät, den kostet das bei einem unterdurchschnittlichen Dispozins von 6,99 Prozent 2,33 Euro. Wie hoch das Dispolimit ist, das eine Bank einem Kunden einräumt, hängt von dessen Kreditwürdigkeit ab. Übersteigt das Minus auf dem Konto diese Grenze oder gerät ein Kontoinhaber ohne Disporahmen ins Minus, verlangen einige Banken für die Überziehung noch höhere Zinsen als den Dispozinssatz.

Tipp: Kosten vergleichen

Doch wie erfahre ich nun, ob ich insgesamt zu viel für mein Konto zahle? Seit Herbst 2018 müssen Banken Kontoinhabern jährlich eine Aufstellung aller Kosten für die Nutzung des Girokontos zur Verfügung stellen, aus der Entgelte für einzelne Leistungen und gezahlte Dispozinsen hervorgehen. Das soll die Grundlage dafür schaffen, dass Verbraucher Kosten und Leistungen vergleichen können.

Wer sich informieren möchte, ob ein Konto mit ähnlichem Leistungsumfang woanders günstiger ist, dem hilft ein Girokontovergleich im Internet, außerdem die Preisaushänge in Bankfilialen oder die Preis- und Leistungsverzeichnisse auf den Webseiten von Banken. Letztere zu studieren ist allerdings oft mühevoll, weil sie nicht selten mehr als 20 Seiten umfassen.

CHECK24 Finanzredaktion

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