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LEXIKON

Afghnistan-Krieg (seit 2001)

die durch die Terroranschläge vom Elften September ausgelösten militärischen Auseinandersetzungen in Afghanistan.
Die fundamentalistischen Taliban hatten seit Mitte der 1990er Jahre die Kontrolle über den größten Teil Afghanistans übernommen und einen islamischen „Gottesstaat“ proklamiert. Der Aufenthalt des islamischen Extremisten Osama Bin Laden im Herrschaftsbereich der Taliban führte zum Konflikt mit den USA. Dieser eskalierte nach den Terroranschlägen vom 11. 9. 2001, da die USA Bin Laden und dessen Terrornetzwerk Al Qaida für die Anschläge verantwortlich machten.
Nachdem das Taliban-Regime die Auslieferung Bin Ladens abgelehnt hatte, begannen die USA mit britischer Unterstützung am 7. 10. 2001 mit Luftangriffen auf Afghanistan. Aus dem Norden des Landes rückte die oppositionelle Nordallianz, die seit Jahren gegen die Taliban kämpfte, mit ihren Truppen vor.
In den Wochen vor Beginn ihrer Militäroperation hatten die USA sich außenpolitische Unterstützung für ihr Vorgehen geholt und eine umfassende außenpolitische Allianz gegen den Terror gebildet. So hatte die NATO den Bündnisfall erklärt. Von Beginn an beteiligten sich britische Soldaten an den Kampfhandlungen. Auch Russland konnte als politischer Bündnispartner gewonnen werden. So versprach der russische Präsident Wladimir Putin u. a. die Lieferung von Geheimdiensterkenntnissen. Pakistan gestattete die Nutzung seines Luftraumes und lieferte ebenfalls Geheimdiensterkenntnisse. Die deutsche Bundesregierung hatte den USA bereits nach den Anschlägen vom 11. 9. ihre uneingeschränkte Solidarität zugesichert und am 7. 11. 2001 die Bereitstellung deutscher Streitkräfte beschlossen. Am 16. 11. gab der Bundestag seine Zustimmung zum Anti-Terror-Einsatz der Bundeswehr. Dabei hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder das Votum über den Militäreinsatz mit der Vertrauensfrage verknüpft.
Am 9. 11. 2001 eroberte die Nordallianz die strategisch wichtige Stadt Mazar- i Sharif, am 13. 11. auch die Hauptstadt Kabul. Die Taliban, von ihrer Führung zum Durchhalten aufgefordert, kämpften zunächst weiter; die USA versuchten vergeblich, Osama Bin Laden zu stellen. Nach zwölftägiger Belagerung übernahm die Nordallianz am 25. 11. die Kontrolle über Kunduz. Am 8. 12. 2001 fiel die letzte Taliban-Hochburg Kandahar. Die Taliban und versprengte Al-Qaida-Kämpfer zogen sich in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet zurück. Im Dezember 2001 bombardierten die USA die Bergfestung Tora Bora bei Jalabad, wo Osama Bin Laden vermutet wurde.
Im November /Dezember 2001 fanden auf dem Petersberg bei Bonn unter Leitung der Vereinten Nationen Gespräche über die politische Zukunft Afghanistans statt. Daran beteiligten sich neben der militärisch siegreichen Nordallianz auch drei afghanische Exilgruppen. Auf der Konferenz wurde u. a. die Einsetzung einer Interimsregierung beschlossen. Der Sicherheitsrat der UNO beschloss am 20. 12. 2001 die Einsetzung der Sicherungstruppe ISAF, an der sich auch deutsche Soldaten beteiligten.
Der zunächst auf Kabul und Umgebung beschränkte Einsatz der ISAF, deren Führung 2003 auf die NATO überging, wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Die Bundesrepublik Deutschland übernahm 2006 das ISAF-Kommando im Norden Afghanistans. Da die Taliban in der Zwischenzeit wieder an Stärke gewonnen hatten, nahmen die militärischen Auseinandersetzungen wieder zu. So führten die ISAF-Truppen mit der Operation Achilles, an der sich rd. 5000 Soldaten beteiligten, 2007 die bis dahin größte militärische Operation in Afghanistan seit 2001 durch. Im selben Jahr wurden auch Tornado-Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Um das Erstarken der Taliban zu verhindern, wurden weitere Militäroffensiven durchgeführt. So startete Anfang Juli 2009 eine von den USA geführte Offensive in der Provinz Helmand (mit über 4000 Marineinfanteristen und 650 afghanischen Kräften aus Armee und Polizei). Einsatzkräfte der Bundeswehr beteiligten sich im selben Jahr an der Operation Oqab („Adler“), mit der die Sicherheitslage in der Region Kunduz verbessert werden sollte. Im Dezember 2009 kündigte der US-amerikanische Präsident Obama die Entsendung von weiteren 30 000 Soldaten nach Afghanistan an. Im Februar 2010 beschloss der Bundestag eine Verlängerung des deutschen Afghanistaneinsatzes um ein Jahr sowie die Erhöhung der Truppenstärke von 4500 auf bis zu 5350. Im Januar 2011 erfolgte eine Verlängerung um ein weiteres Jahr.
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