Lexikon
Außerparlamentarische Opposition
1. allgemein die im Regierungstyp des parlamentarischen Systems nicht in den Fraktionen des Parlaments institutionalisierte Opposition; – 2. im engeren Sinne zusammenfassende Bezeichnung für politische Oppositionsbewegungen der Linken in der Bundesrepublik Deutschland (APO), die in der Zeit der „Großen Koalition“ (ab 1966) entstanden. Nach Meinung der APO war die Opposition im Parlament 1966–1969 fast ohne politische Bedeutung, weil die kleine FDP im Bundestag der Regierung aus CDU/CSU und SPD allein gegenüberstand. Viele Gruppen der APO leiteten ihre Existenzberechtigung von ihrer Beobachtung, Untersuchung und Einschätzung der politischen Verhältnisse und Abläufe in der Bundesrepublik Deutschland ab: Sie wollten die demokratischen Aufgaben übernehmen, die ihrer Meinung nach in Parteien und Parlamenten nicht mehr oder nur noch selten wahrgenommen wurden, nämlich neue politische Möglichkeiten und neuartige Lösungen gesellschaftlicher Probleme zu entwickeln. Daraus resultierte teilweise die Ablehnung der repräsentativen parlamentarischen Demokratie. Als Mittel politischer Auseinandersetzung wurden Kundgebung, Demonstration, Flugschrift und Wandzeitung bevorzugt, um Aufmerksamkeit und Veränderungsbereitschaft für komplexe gesellschaftliche Erscheinungen sowie Abwehrbereitschaft gegen bedrohlich empfundene Entwicklungen (Notstandsgesetzgebung, Pressekonzentration, aber auch die amerikanische Kriegführung in Vietnam) zu schaffen. Die APO war keine einheitliche Organisation, sondern aus vielen Gruppen zusammengesetzt. Besonders Studenten und ihre politischen Verbände wirkten in der APO mit, z. B. der Sozialistische Deutsche Studentenbund und der Liberale Studentenbund Deutschlands. Fehlende Massengefolgschaft und Organisation führten insbesondere nach dem Regierungswechsel (1969) zu einem raschen Zerfall der APO.
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Rudi Dutschke, führender Kopf der antiautoritären Studentenbewegung Westberlins und der Bundesrepublik Deutschland (1965–1968) während einer Kundgebung
© Corbis/Bettmann/UPI
Außerparlamentarische Opposition: Polizeieinsatz
Polizeieinsatz während einer Demonstration
Polizeieinsatz nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968.
© Corbis/Bettmann/UPI
Formen einer anders gearteten, weniger theoretisch geleiteten Außerparlamentarischen Opposition bildeten später einige Gruppierungen der antiautoritären Bewegungen und der alternativen Bewegung.
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