Lexikon

Barọck

[das oder der; französisch baroque, italienisch barucco, unregelmäßig geformte Perle; daher übertragen: „verschroben, exzentrisch“]

Repräsentation und Religion: die Barockarchitektur

Die Kunst des Barocks fand ihren stärksten Ausdruck in der Architektur. Hauptaufgaben waren das vom Repräsentationswillen der weltlichen und geistlichen Fürsten bestimmte, von Parks umgebende Fürstenschloss, die durchgeplante, auf das Schloss ausgerichtete Stadtanlage und der als künstlerische Einheit gestaltete Kirchenbau. Die Barockkunst strebte nach dynamischer Wirkung durch Reichtum des plastischen und malerischen Schmucks, durch kühne, leidenschaftliche Bewegtheit. Bezeichnend sind ferner das Sicheinfügen der Einzelelemente in das gesamte Kunstwerk, bewegte, oft aus flachen Kurven zusammengesetzte Grundrisse, unterbrochene Giebel, schraubenförmig gedrehte oder zu Gruppen zusammengefasste Säulen und Durchbrechung der architektonischen Struktur mit Mitteln der Malerei. Ausgehend von Werken der großen Meister der Spätrenaissance, entstand der Barockstil in Rom. Vignolas Kirche Il Gesù, eine Verbindung von Langschiff und zentralem Kuppelbau, wurde zum Vorbild für die Kirchenarchitektur des Barocks. Führend als Baumeister waren in Italien L. Bernini, F. Borromini, G. Guarini und B. Longhena. In Frankreich gaben J. Lemercier, F. Mansart, C. Lebrun und J. Hardouin-Mansart dem Barock eine klassizistische Prägung. Beispielhaft für den Schlossbau fast ganz Europas wurde das Königsschloss in Versailles. Nach einer frühbarocken Periode, in der sich italienische Architekten hervortaten, wirkten in Süddeutschland die Baumeister Fischer von Erlach, L. von Hildebrandt, die Dientzenhofer, B. Neumann, die Brüder Asam und D. Zimmermann. In Berlin errichtete A. Schlüter Schloss und Zeughaus, in Dresden entstanden der Zwinger D. Pöppelmanns und die Frauenkirche G. Bährs. In England vertraten I. Jones und C. Wren den sog. Palladianismus, der ebenso wie der holländische Baustil dieser Zeit strengere Formen aufweist.
Vaux-le-Vicomte
Vaux-le-Vicomte
Schloss und Garten von Vaux-le-Vicomte; Ansicht von Westen. Der 1653-1660 von Andre Le Nostre angelegte Park wurde zum Vorbild für die barocken Gartenschöpfungen.
  1. Einleitung
  2. Repräsentation und Religion: die Barockarchitektur
  3. Neue Formensprache in Plastik und Malerei
  4. Neue musikalische Welten
  5. Zwischen Diesseits und Jenseits – die Literatur des Barock
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