Lexikon

byzantịnische Kunst

Malerei

Die byzantinische Malerei war vorwiegend Mosaik-, Ikonen- und Miniaturmalerei, in späterer Zeit auch Wandmalerei. Das Bild sollte Heiliges im gleichen Maße vergegenwärtigen wie die Heilige Schrift. Daher musste sein Inhalt authentisch, d. h. frei von willkürlicher Veränderung sein. Bereits vorhandene alttestamentliche Bildzyklen wurden aufgenommen, die christologischen mussten erst geschaffen werden. Dieser Prozess war im 5. und 6. Jahrhundert vollendet und wurde nach dem Bilderstreit im 10. Jahrhundert abgeschlossen. Von frühen Malereien finden sich nur geringe Spuren, spätere Miniaturen gestatten jedoch Rückschlüsse. Zahlreiche Mosaikschulen, teils konservativ, teils fortschrittlich, bildeten die verschiedensten Stilformen aus, besonders mit hellenistischen und neuattischen Elementen. Im Gegensatz zu den farblich verhaltenen Mosaiken der ravennatischen Kunst stehen die in Saloniki erhaltenen kontrastreichen und buntfarbigen Mosaiken des 5.–7. Jahrhunderts (Hagios Georgios, Hosios David, Demetriusbasilika). Mittelbyzantinische Mosaikzyklen befinden sich u. a. in Hosios Lukas, Kiew und Daphni (11. Jahrhundert). In strenger Frontalität und auf Goldgrund erscheinen figürliche Darstellungen des 11. Jahrhunderts, wogegen das 12. Jahrhundert Auflockerung durch zarte Modellierung brachte (Johannes-Mosaik der Hagia Sophia in Konstantinopel, um 1120). Die spätbyzantinische Phase zeigt die humanistischen Züge eines Renaissancestils mit strenger Komposition, feiner Modellierung und lebensnahen Porträtköpfen. Mittelbyzantinische Freskenzyklen finden sich in Nérez bei Skopje, in Mittel- und Nordrussland und in den kappadokischen Höhlenkirchen. Ikonen der byzantinischen Kunst sind überaus selten, dagegen sind zahlreiche Ikonen der orthodoxen Kirche erhalten; sie gehören meist der nach 1453 nachweisbaren italo-byzantinischen Spätschule an.
Hauptaufgabe der byzantinischen Malerei war die Darstellung Christi. Aus den Frühstadien des Christusbilds (bartloser apollinischer Typ des Guten Hirten, bärtiger Philosophentypus, mystische Kindesgestalt) entwickelte sich der Typus des Acheiropoietos, des „nicht von Menschenhänden geschaffenen“ Christus mit gescheiteltem, langem Haar, zweigeteiltem Bart und ernstem Blick. Auch die Theotokos, die Gottesmutter, wurde in verschiedenen typischen Gestalten dargestellt, meist als Blacherniotissa, Hodegetria und Platytera.
  1. Einleitung
  2. Baukunst
  3. Plastik
  4. Malerei
  5. Kleinkunst
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