Lexikon
Eurọpa
Mittelalter
Das Römische Reich zerfiel 395 in eine westliche und östliche Hälfte. In jahrhundertelangen Abwehrkämpfen des
Byzantinischen Reichs gegen Germanen, Sassaniden, Araber und Slawen ging die kulturelle und politische Einheit der Mittelmeerwelt verloren. Doch konnte Byzanz den nichtkatholischen Teil der Slawen in die europäische Gemeinschaft eingliedern und ihn für das Christentum orthodoxer Prägung gewinnen. Synchron zum Zerfall des Byzantinischen Reichs gewann die islamische Welt die Herrschaft über das Mittelmeer und griff auf Europa aus. Sie drang in Westeuropa über Spanien bis nach Frankreich vor und wurde im Südosten Europas unmittelbarer Nachbar Österreichs, dem der Abwehrkampf gegen die Türken zufiel.
Als Folge der Hunneneinfälle waren in Ost- und Südosteuropa die frühen Reiche der Bulgaren, Awaren und Slawen entstanden, gegen die sich Byzanz nur mühsam behaupten konnte. 955 besiegte Otto I. die Ungarn entscheidend bei Augsburg, die darauf sesshaft gemacht und für das Christentum gewonnen wurden.
Die slawisch besiedelte Zone östlich von Elbe und Saale wurde allmählich in den abendländisch-christlichen Kulturraum integriert. Osteuropa war bis zum Aufstieg Russlands seit dem 15. Jahrhundert Einfallstor türkisch-mongolischer Nomaden aus Zentralasien, die jahrhundertelang eine Gefahr für Europa bedeuteten. Zwischen Russland, das durch die rund 250 Jahre währende Auseinandersetzung mit den Mongolen Europa entfremdet wurde, und dem Reich dehnte sich das polnisch-litauische Großreich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer aus.
Die westliche Hälfte des Römischen Reichs erlag während der Völkerwanderungszeit dem Ansturm der Germanen. Diese gründeten nach 450 eigene Reiche, in denen es zu der für das Abendland entscheidenden Verschmelzung von Germanentum, hellenistisch-römischer Welt und Christentum kam.
Das Schwergewicht Europas verlagerte sich auf das Reich der Franken, die bis 788 sämtliche rechtsrheinischen germanischen Stämme und das Langobardenreich in ihr Gebiet eingliederten. Die Krönung Karls des Großen 800 mit der römischen Kaiserkrone durch den Papst bedeutete die Fortsetzung der Tradition des Römischen Reichs durch einen fränkisch-christlichen Herrscher unter bewusster Ignorierung des byzantinischen Kaisertums. Das aus Deutschland, Italien und Burgund gebildete Heilige Römische Reich übte bis ins späte Mittelalter zwar keine faktische, aber eine Art ideelle Oberhoheit über Europa aus. Der Machtkampf zwischen Papst und Kaiser endete nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. (1250) mit dem Zusammenbruch des römisch-deutschen Kaisertums und mit der sog. Babylonischen Gefangenschaft der Päpste in Avignon (1309–1376).
Frankreich erlangte nun zentrale Bedeutung für Europa. In den Wirren des Hundertjährigen Krieges (1338–1453 bzw. 1475) entstand in Frankreich der nationale Königsstaat mit Fachbeamtentum, geordneter Geldwirtschaft und stehendem Heer. Portugal und das 1479 nach dem Kampf gegen die Mauren dynastisch geeinte Spanien folgten diesem Beispiel. In England entstanden nach 1485 und in Schweden nach 1525 nationale Königreiche.
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