Lexikon

Gicht

Medizin
uratische Diathese
sog. Arthritis urica, eine Stoffwechselkrankheit, die durch erhöhte Harnsäure, ein natürliches Abbauprodukt des Purinstoffwechsels der Körperzellen, bedingt ist. Die Harnsäure kann durch vermehrte Zufuhr (z. B. purinreiche Nahrung), vermehrte Bildung im Körper (z. B. angeborene Enzymdefekte) oder eine verminderte Ausscheidung über die Niere (Nierenkrankheiten, Medikamente, Alkohol) bedingt sein, wobei meist mehrere Mechanismen zum Tragen kommen müssen, bevor eine Gicht entsteht. Durch Auskristallisierung der Harnsäure, vor allem an kühlen Körperregionen (Großzehengrundgelenk, Ohrknorpel), entstehen entzündliche Knoten („Tophus“). Typischerweise kommt es zu einem akut, über Nacht auftretenden Gichtanfall der Großzehe („Podagra“), der zu einer äußerst schmerzhaften entzündlichen Schwellung des Großzehengrundgelenks führt, einschließlich einer ausgeprägten Schmerzempfindlichkeit der Haut. Bei fortbestehender bzw. unbehandelter Harnsäureerhöhung kann die Gichtarthritis fast alle großen und kleinen Gelenke betreffen. Die Gicht ist bei männlichen Patienten viel häufiger als bei weiblichen (Verhältnis 10:1). Durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen im Nierengewebe kann es im fortgeschrittenen Stadium der Gicht auch zu einer (zusätzlichen) Schädigung der Nieren kommen. Die Behandlung des akuten Gichtanfalls besteht in Ruhigstellung, Kühlung und Gabe von Rheumamedikamenten bzw. Colchicin, zur Vorbeugung des Gichtanfalls dienen diätetische Maßnahmen und Vermeiden von Alkohol. Wird die Gicht durch diese Maßnahmen nicht gebessert, ist eine dauernde Gabe von Medikamenten notwendig, die die Bildung der Harnsäure im Körper vermindern.
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