Lexikon
Jugoslạwien
Bundesrepublik Jugoslawien und Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro
Am 27. 4. 1992 proklamierten Serbien und Montenegro eine neue „Bundesrepublik Jugoslawien“. Diese unterstützte in den militärischen Auseinandersetzungen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina massiv die serbische Seite, obwohl die UNO die Verhängung von Sanktionen beschloss. Die beherrschende politische Figur des Landes, der serbische Präsident S. Milošević, wurde bei Wahlen im Dezember 1992 im Amt bestätigt. Die UNO-Sanktionen beschleunigten den wirtschaflichen Verfall Jugoslawiens. Nach der Zusage von Milošević, die bosnischen Serben künftig nicht mehr zu unterstützen, lockerte die UNO im Oktober 1994 die Restriktionen.
Am 21. 11. 1995 paraphierte Milošević in Dayton zusammen mit den Präsidenten Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens ein Friedensabkommen für Bosnien-Herzegowina. 1996 erfolgte die internationale Anerkennung der Bundesrepublik Jugoslawien sowie die endgültige Aufhebung der Sanktionen. 1997 ließ sich Milošević zum jugoslawischen Präsidenten wählen. In der Folgezeit verstärkten sich die Spannungen zwischen der reformorientierten Teilrepublik Montenegro unter Führung von M. Djukanović und der Zentralregierung in Belgrad.
Nach der Eskalation im Kosovo-Konflikt 1998 begann die NATO im März 1999 einen Luftkrieg gegen Jugoslawien, der erst im Juni 1999 beendet wurde, als sich die Belgrader Führung zum Abzug aller bewaffneten Kräfte aus dem Kosovo verpflichtete. Eine Verfassungsänderung im Juli 2000, durch die die Direktwahl für das Amt des Staatspräsidenten und den Rat der Republiken eingeführt wurde, sollte die Machtposition Miloševićs und erhöhte die Spannungen mit der Teilrepublik Montenegro.
Im September 2000 fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, die von der montenegrinischen Regierung boykottiert wurden. Die Opposition erhob den Vorwurf der Wahlfälschung und forderte die Anerkennung des Sieges ihres Präsidentschaftskandidatens Vojislav Koštunica. Eine Streik- und Protestbewegung erfasste das gesamte Land. Demonstranten stürmten am 5. 10. 2000 das Belgrader Parlament. Schließlich musste Milošević den Wahlsieg Koštunicas anerkennen. Dieser wurde am 7. 10. 2000 als neuer Staatspräsident vereidigt. Der von den Justizbehörden inhaftierte Milošević wurde 2001 an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert.
2002 einigten sich Serbien und Montenegro unter Vermittlung der EU auf eine grundlegende Neuordung ihrer institutionellen Beziehungen. Die Bundesrepublik Jugoslawien wurde 2003 zur Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro, deren Existenz mit der Unabhängigkeitserklärung von Montenegro 2006 endete.
- Einleitung
- Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen
- Jugoslawien bis zum Beginn des 2. Weltkriegs
- 2. Weltkrieg
- Die Ära Tito
- Krise und Staatszerfall
- Bundesrepublik Jugoslawien und Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro
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