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LEXIKON

Mehmed II. Fatih

[
türkisch, „der Eroberer“
]
Sultan
des Osmanischen Reiches
14441446 und 14511481, * 30. 3. 1432 Adrianopel,  3. 5. 1481 Tekfur Cayiri; eroberte 1453 Konstantinopel und das Byzantinische Reich und erweiterte das türkische Gebiet u. a. auf dem Balkan.
Fall Konstantinopels
Fall Konstantinopels
Vor dem Schlussangriff auf die byzantinische Hauptstadt ruft Sultan Mehmed II. sein osmanisches Heer zum Kampf auf und verspricht reiche Beute. Nachfolgend gibt ein byzantinischer Geschichtsschreiber eine schicksalsergebene Erklärung zum Fall der Stadt:

Liebe Kinder, im Namen Gottes und Mohammeds, seines Propheten, und in meinem eigenen Namen, der ich der Diener Gottes bin, bitte ich euch und ermahne euch, am morgigen Tage ewigen Ruhmes würdige Taten zu tun, wie es auch unsere Vorväter immer bis auf den heutigen Tage getan haben, was aller Welt kund ist, und mit Mut, tapfer und großherzig euch von den Leitern wie Vögel auf die Mauer herabzulassen ... Wenn auch einige von euch umkommen, wie es im Krieg zu geschehen pflegt, so wie es für sie vom Schicksal bestimmt ist, wisst ihr doch wohl aus unserem Koran, was der Prophet sagt, dass einer, der in solchem Augenblicke fällt, leiblich ins Paradies versetzt wird und mit Mohammed schmausen und trinken wird, und mit Knaben und schönen Frauen und Mädchen auf einem grünen, von Blumen duftenden Rasen ausruht, und in herrlichen Bädern badet; von Gott erhält er all dies zum Lohne ... Drei Tage hindurch soll die Stadt zur Plünderung euch gehören. Was ihr da erbeutet und findet, an Gold und Silbergeschirr, Kleidern, Gefangenen - seien es Männer oder Weiber - ... niemand soll es euch abfordern oder euch irgendwie darum behelligen. Es war eine Prüfung von Gott, die seit langem verhängt war, dass das Reich der Römer das Äußerste an Unglück erleiden sollte. So wirkten durch den...Ratschluss der Vorsehung alle möglichen Heimsuchungen...zusammen, und alles, was gut...gewesen wäre, wurde nach göttlichem Ratschluss gehemmt."

Uneinigkeit des Westens gegen die Osmanen
Uneinigkeit des Westens gegen die Osmanen
Kurz vor der Eroberung Konstantinopels 1453 nennt Sogan Pascha seinem Sultan Mehmed II. die Gründe, warum der Westen zu keiner Koalition gegen die Osmanen fähig war:

Ihr wisst ja selbst, wie die italienischen Fürsten und die übrigen westlichen Herrscher durch ihre Vielfalt in sich veruneint sind, zu keiner gemeinsamen Tat fähig und nie miteinander eines Sinnes. Und wenn sie auch, mit viel Mühe und nach langen Verhandlungen, sich etwas zusammentun, so geht der Bund in kurzer Zeit wieder in die Brüche. Und wenn sie auch verbündet sind, so arbeitet doch insgeheim einer gegen den anderen, wie er ihm etwas von seiner Herrschaft entreißen könnte, und sie sind voll Misstrauen im Umgang miteinander. Sie beraten, überlegen und reden viel, aber tun wenig, und was sie am Abend vorher beschlossen haben, wird am Morgen wieder umgestoßen. Und selbst wenn es dabei bleibt, sind sie säumig in der Durchführung, weil ein jeder die gelegene Zeit für seine besonderen Pläne und Absichten abwartet. Und wenn sie auch schon darangehen, und es anfangen ins Werk zu setzen, dann bringen sie es nicht zu Ende, weil sie sich inzwischen veruneinigen."

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