Lexikon

Napoleon I.

Außenpolitische Wende und Scheitern

Der außenpolitischen Entfaltung der Macht durch die militärische Überlegenheit seiner Heere blieben jedoch Grenzen gesetzt. Das Zentralproblem bildete die Niederzwingung des die Meere beherrschenden England. Zudem setzte, mit Spanien angefangen (1808), eine Welle nationaler Erhebungen und der Neubesinnung gegen die Herrschaft Napoleons ein (preußische Reformen seit 1807, Krieg mit Österreich 1809).
Nach der Absage des Zaren an die Kontinentalsperre (1810) schien für Napoleon die Unterwerfung Russlands als Voraussetzung für einen Sieg gegen England unvermeidlich. Das Scheitern des Russlandfeldzugs 1812 wurde zum Wendepunkt der napoleonischen Herrschaft. In den Befreiungskriegen erlag Napoleon der übermächtigen Koalition EnglandRusslandÖsterreichPreußenSchweden (Völkerschlacht bei Leipzig 16.19. 10. 1813). Nach dem Fall von Paris (31. 3. 1814) und der Absetzung durch den Senat (2. 4.) dankte Napoleon in Fontainebleau (6. 4.) ab und ging ins Exil nach Elba. Die Episode der Hundert Tage nach der Rückkehr Napoleons von Elba (1. 3. 1815) endete mit seiner Niederlage in der Schlacht von Waterloo (18. 6.) und seiner Internierung auf Lebenszeit auf St. Helena, wo er starb. Er wurde 1840 im Pariser Invalidendom beigesetzt.
Die nach seinem Tod entstandene Napoleon-Legende von einem volksnahen und modernen Kaisertum war eine wesentl. Ursache für den politischen Aufstieg seines Neffen Napoleon III.
Das ganze Europa sollte es sein
Das ganze Europa sollte es sein
Rückblickend suchte Napoleon I. seine Politik mit seiner Vision eines geeinten Europas zu rechtfertigen (Erinnerungen, Auszug):

Wessen könnte man mich anklagen, wogegen mich ein Schriftsteller nicht in Schutz zu nehmen vermöchte? Er hat Tatsachen genügend zur Hand, um mich freizusprechen. Mein Despotismus? Doch er wird beweisen, dass die Diktatur unumgänglich notwendig war. Dass ich der Freiheit ein Ende machte? - Aber er wird klar dartun, dass die Zügellosigkeit, die großen Unordnungen noch an der Schwelle drohten. Dass ich den Krieg zu sehr liebte? - er wird zeigen, dass ich stets angegriffen worden bin. Dass ich nach der Weltmonarchie strebte? - sie war nur das zufällige Werk der Umstände, und unsere Feinde führten mich ihr selbst Schritt für Schritt entgegen. Dass ich Ehrgeiz besaß? Ja, Ehrgeiz wird der Schriftsteller an mir finden, aber den größten und erhabensten Ehrgeiz, den es wohl jemals gegeben hat! Nämlich den, das Reich der Vernunft, die volle Entwicklung, den ganzen Genuss aller menschlichen Fähigkeiten endlich herzustellen und zu weihen!...
Ich konnte noch so viele Pläne haben, niemals war ich in der Lage, sie so auszuführen, wie ich wollte ... Ich bin in Wirklichkeit niemals mein eigener Herr gewesen, sondern habe mich stets von den Umständen regieren lassen.
Eine meiner Lieblingsideen war die Zusammenschmelzung, die Vereinigung der Völker, die durch Revolution und Politik getrennt worden waren. Es gibt in Europa mehr als 30 Millionen Franzosen, 15 Millionen Spanier, ebenso viel Italiener und 30 Millionen Deutsche. Ich wollte sie alle in einem einzigen festen Körper vereinigen ... War dies getan, dann konnte man sich dem jetzt nur erträumten Ideal einer höheren Gesittung hingeben; dann war kein Wechsel mehr zu befürchten, denn es herrschte ein Gesetz, einerlei Meinung, ein Interesse, das Interesse der Menschheit.
Dann hätte man vielleicht auch für Europa den Gedanken einer Amphiktyonie, eines nordamerikanischen Kongresses ausführen können. Und welche Aussichten eröffneten sich dann, welches Schauspiel bot dann die Welt!
  1. Einleitung
  2. Militärische Karriere
  3. Vom Staatsstreich zur Kaiserkrönung
  4. Streben nach Hegemonie
  5. Außenpolitische Wende und Scheitern
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