Lexikon
spanische Kunst
Architektur
Beispiele der Baukunst aus römischer Zeit sind in Spanien verhältnismäßig zahlreich erhalten, so in Segovia, Tarragona, Barcelona und Mérida.
Ein Hauptwerk der islamischen Kunst ist die Moschee von Córdoba (8.–10. Jahrhundert) mit 19 Schiffen und 630 Säulen. Der bedeutendste Profanbau der arabischen Architektur in Spanien ist die im 13. und 14. Jahrhundert errichtete Alhambra von Granada.
Sevilla und Toledo erlangten Bedeutung durch den hier ausgebildeten Mudéjarstil, einen Mischstil aus arabischen und christlichen Bau- und Dekorationsformen, der im 14. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte (Hauptwerk: Alcázar und Casa de Pilatos in Sevilla). Ebenso wie in der islamischen Kunst sind auch hier Hufeisenbögen und Stalaktitengewölbe die augenfälligsten Merkmale. Weniger reich an dekorativen Elementen ist der mozarabische Stil, den Christen in arabisch beherrschten Ländern schufen; in ihm begegnen sich frühmittelalterliche und maurische Formen.
Die spanischen Kirchen der romanischen Zeit (11./12. Jahrhundert) haben häufig geradezu festungshaften Charakter (Ávila, Salamanca, Poblet, Santes Creus). Hauptwerke sind das Benediktinerkloster in Ripoll (Anfang 11. Jahrhunderts), die alte Kathedrale von Salamanca (um 1200), die 1054 begonnene Kathedrale von Jaca, die Königskirche von León, S. Isidoro, und die Kathedrale von Zamora (1151–1174).
Die Gotik wurde zunächst in der von burgundischen Zisterzienserklöstern entwickelten Form aufgenommen; dann aber drang auch der französische Kathedralstil ein, vor allem in den Bischofsstädten León, Burgos und Toledo. Von den gotischen Kirchen Spaniens lehnt sich die 1199 begonnene Kathedrale von León am engsten an den französischen Kathedralstil an. Die fünfschiffige Kathedrale von Burgos (1221 begonnen) und die von Toledo (1227 begonnen) sind im plastischen Fassadenschmuck, aber auch in ihrer Grundrissanlage von französischen Vorbildern abhängig. Im 14. und 15. Jahrhundert setzte sich mehr und mehr das Bestreben durch, die Kirchenräume zu einer Raumeinheit zusammenzuschließen. Auffallend ist die Freude am Dekor (Gewölbeornamente und reiche Fassadenplastik) sowie die Vielzahl der Kapellen, mit denen Langhaus und Chor umgeben werden. Die Vorliebe für schmückendes Beiwerk erreichte ihren Höhepunkt mit dem plateresken Stil, der mit Formen des Kunstgewerbes, insbesondere der Gold- und Silberschmiedekunst, in feingliedriger Art Architekturflächen teppichartig belebte. Reine Renaissancekunst findet sich nur in Granada (Palast Karls V., Kathedrale). Dagegen kam den spanischen Habsburgern mit ihrem strengen Hofzeremoniell der estilo desornamentado in seiner herben Schmucklosigkeit entgegen. Vollendet wandte ihn J. de Herrera am Escorial (1563 begonnen, 1584 im Rohbau vollendet) an. Die barocke Baukunst in Spanien ist gekennzeichnet durch dekorativen Überschwang. Die vielfach geschwungenen Fassaden wie die Innenräume sind mit wucherndem Ornament beladen.
In neuerer Zeit hatte die spanische Architektur ihren bedeutendsten Repräsentanten in A. Gaudí y Cornet (Barcelona, Sagrada Familia, 1884–1926; Casa Milà, 1905–1910). Beispielhaft für neue kühne Architekturformen (Pferderennbahn von Zarzuela bei Madrid, 1955) ist im 20. Jahrhundert das Werk von Eduardo Torroja y Miret. Nach der Rückkehr zur Demokratie fanden regionale Tendenzen wieder stärkere Beachtung. In den 1970er Jahren vollzog R. Bofill und das von ihm gegründete „Taller de Arquitectura“ den Wechsel zu postmodernen Formen, die er in den 1980er Jahren unter Einbeziehung der Materialien Stahl und Glas zu einer repräsentativen Architektur in Anlehnung an die Tradition modifizierte. Auf internationaler Ebene arbeiten u. a. der Ingenieur und Architekt S. Calatrava, der Brücken und Verkehrsgebäude unter besonderer Berücksichtigung der architektonischen Form entwirft, und J. R. Moneo, dessen Gebäude durch klassische Proportionen und einfache Formen charakterisiert sind. Darüber hinaus gab es durch die Expo 1992 in Sevilla und die Olympischen Spiele im gleichen Jahr in Barcelona neue Bauaufgaben.
- Einleitung
- Architektur
- Plastik
- Malerei
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