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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Märtyrer:
Das griechische Wort
martyr
heißt einfach nur „Zeuge“. Damit konnte auch ein Zeuge vor Gericht gemeint sein, das heißt, das Wort hatte ursprünglich keine religiöse Bedeutung. Nach dem Neuen Testament bezeichnet das Wort denjenigen, der Zeugnis gibt von Tod und Auferstehung Jesu, besonders die Apostel und Verkünder des Evangeliums. Im Zuge der Christenverfolgungen in der römischen Kaiserzeit wurde der Begriff von etwa 150 an als Ehrentitel ausschließlich für diejenigen verwendet, die wegen ihres Glaubens an Christus getötet wurden. Sie wurden an ihren Gräbern kultisch verehrt. Aus dem Zeugen war damit ein Blutzeuge geworden. Mit dieser Bedeutung gelangte der Begriff als
marteraere, merteraere
oder
mertaere
ins Mittelhochdeutsche. Die neuhochdeutsche Form
Märtyrer
(oberdeutsch gibt es auch die Variante
Martyrer
) stellte vom 16./17. Jahrhundert an eine gelehrte Wiederangleichung ans Griechische dar.
In
Märtyrerakten
wurden einst Prozesse und Schicksal der ersten christlichen Blutzeugen festgehalten. Ihr Leben und Leiden brachte man in so genannten
Märtyrerdramen
auf die Bühne. Unter
Martyrologie
versteht man die Auflistung ihrer Todestage. Die ersten Märtyrer starben, ohne andere mit in den Tod zu reißen, ganz im Unterschied zu den heutigen islamistischen Selbstmordattentätern. Sie sind nach ihrem Selbstverständnis ebenfalls Märtyrer und berufen sich dabei auf die dritte Sure des Korans: „Wer für seinen Glauben gestorben ist, ist nicht tot, sondern lebt.“ Wie diese Sure auszulegen ist, ist allerdings unter Muslimen umstritten. Das arabische Wort für
Märtyrer
lautet
Shahid
und bedeutete ursprünglich gleichfalls allgemein „Zeuge“.
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