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Sternenhimmel im September: Tagundnachtgleiche, Erntemond und Jupiter in Opposition

Im September beginnt auch astronomisch der Herbst: Die Tagundnachtgleiche markiert den Tag, ab dem die Nächte wieder länger sind als der Tag. Am Nachthimmel sind dafür zurzeit fast alle Planeten zu sehen, gleich zwei von ihnen – Jupiter und Neptun – stehen von uns aus gesehen der Sonne genau gegenüber. Besonders prachtvoll und ausdauernd leuchtet in diesem Monat zudem der "Erntemond", außerdem einige der schönsten Sternbilder des Jahres.
NPO / Planetarium Hamburg, 02.09.2022
Sternenhimmel im September 2022, Blick nach Osten

Katja Frauenkron_Thomas W Kraupe_Planetarium Hamburg

Die heißesten Tage des Jahres liegen hinter uns und die Nacht bricht immer früher herein. Gleichzeitig steht die Sonne jetzt selbst mittags deutlich weniger hoch am Himmel als noch vor drei Monaten. Am 23. September kreuzt die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn über den Himmel den  Himmelsäquator, dadurch steht sie mittags genau senkrecht über dem Äquator. Für uns bedeutet dies: Tag und Nacht sind an diesem Tag genau gleich lang – diese Tagundnachtgleiche, auch Äquinoktium genannt, markiert astronomisch den Herbstbeginn.

Während der Tagundnachtgleiche steht die Sonne senkrecht über dem Äquator.

Fast der ganze Tierkreis und ein "gekrönter" Stier

Passend dazu sind jetzt im Laufe der Nacht fast alle Sternbilder des Tierkreises zu sehen. Auf die schon Abends versinkende Waage und den Skorpion im Südwesten folgen Schütze, Steinbock und Wassermann. Dann gehen im Osten erst die Fische und der Widder auf, dann folgt der Stier. Nach Mitternacht tauschen auch die Zwillinge und das Sternbild Krebs am Horizont auf. Ende dieses Monats gesellst sich dann kurz vor Sonnenaufgang noch der Löwe dazu. In diesem Tierkreisreigen fehlt nur die Jungfrau.

Ein besonderes Schauspiel können wir Mitte September im Sternbild Stier bestaunen: Am 15. September geht gegen 21 Uhr zunächst das Siebengestirn im Osten auf - der Sternhaufen der Plejaden. Ihm folgt der abnehmende Mond, bis sich gegen 22:30 Uhr auch Planet Mars zeigt. Rechts davon strahlt der ebenfalls rötliche Aldebaran, der hellste Stern im Stier. In den folgenden Nächten bilden sie eine Gruppe im und über dem Sternbild Stier.

Am 18. September gegen 22:30 Uhr lohnt sich der Blick an den östlichen Himmel besonders. Denn dann steht der Halbmond direkt zwischen den Hörnerspitzen des Stiers. „Bereits gegen Mitternacht ist die Formation im Osten höher gestiegen und wir genießen einen prächtigen Anblick – mit dem Halbmond, rechts daneben Mars und Aldebaran, darüber das Siebengestirn“, erklärt Thomas Kraupe, der Direktor des Planetarium Hamburg.

"Erntemond" leuchtet besonders lange

Der Mond ist im September insgesamt sehr prominent. Denn er stattet nicht nur dem Stier einen Besuch ab, er hat auch ein Rendezvous mit dem Planeten Jupiter: Am 11. September steht der noch fast volle Mond nur zwei Fingerbreit vom hell leuchtenden Jupiter entfernt. Schon einen Tag davor ist Vollmond. Traditionell wird der dem Herbstbeginn am nächsten gelegene Vollmond auch als „Erntemond“ bezeichnet. Denn er war für die Bauern eine willkommene Lichtquelle, bei der sie ihre Feldarbeit bis tief in die Nacht fortsetzen konnten.

Möglich war dies auch, weil der September-Vollmond mehrere Tage lang ähnlich hell bleibt und abends immer fast zur gleichen Zeit aufgeht. „Im September erfolgt sein Aufgang jeden Abend nur etwa zehn Minuten später. Damit steht er auch weiterhin bei Beginn der Dunkelheit als helles Licht am Himmel", erklärt Kraupe. Normalerweise verschiebt sich der Mondaufgang jeden Tag um etwa 50 Minuten nach hinten. Aber weil der Mond momentan besonders schnell über den Himmel zu wandern scheint, kann er dies in Teilen kompensieren.

Die Himmelsmechanik sorgt dafür, dass sich der Mondaufgang im Herbst um den Vollmond herum kaum verschiebt. Man konnte daher früher das helle Mondlicht gezielt nutzen, um die Ernteaktivität bis in die ersten Nachstunden zu verlängern.

jimkruger, GettyImages

Galanächte für den Jupiter

Ein „Superstar“ am September-Himmel ist auch der Planet Jupiter. Er steht Ende September in Opposition zur Sonne und damit ihr von uns aus gesehen genau gegenüber. Er strahlt daher besonders hell und ist die ganze Nacht hindurch zu sehen. „Dies ist alle 13 Monate der Fall“, erläutert Kraupe. „Denn unsere Erde, die etwa fünfmal näher die Sonne umkreist, überholt den Riesenplaneten in diesem Rhythmus. Am 26. September ist es wieder so weit."

Hinzu kommt: Der Jupiter ist uns zurzeit so nahe wie selten. Denn er nähert sich dem sonnennächsten Punkt seiner Bahn. "Deshalb kommt er uns diesmal in seiner Oppositionsstellung mit 591 Millionen Kilometern so nah wie zuletzt 1963 – also vor fast 60 Jahren. Erst in 107 Jahren wird er wieder so auffällig am Himmel stehen“, sagt Kraupe.

Wer den Jupiter mit einem Fernglas betrachtet, kann jetzt auch die vier großen Monde des Gasriesen erkennen – sie ähneln winzigen Lichtpunkten, die recht und links vom Planeten stehen. "Bei ihnen handelt es sich um die vier großen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto, die schon Galilei vor 400 Jahren mit dem Fernrohr verfolgte“, sagt Kraupe. „Man glaubt es kaum – aber diese Pünktchen sind etwa so groß wie unser Erdmond.“

Jupiter mit den galileischen Monden. Von links nach rechts sind Kallisto, Jupiter, Europa, Io und Ganymed zu erkennen. So ähnlich könnten sich die Himmelskörper vor über 400 Jahren auch Galileo Galilei präsentiert haben.

Neptun in Opposition, Abschied von der Venus

Ebenfalls in Opposition steht diesem Monat der äußerste Planet unseres Sonnensystems, der ferne Neptun. Er erreicht in der Nacht von 13.zZum 14. September seinen erdnächsten Punkt und scheint dann so hell wie sonst nie. Allerdings ist das relativ: "Mit 4,3 Milliarden Kilometern ist er rund dreimal so weit von uns entfernt wie Saturn. Erst bei über 200-facher Vergrößerung mit einem Fernrohr ist der bläuliche Planet zu erahnen oder sogar zu erkennen", erklärt Kraupe. Um den Neptun zu sehen, benötigt man daher in Teleskop und einen möglichst dunklen Standort.

Abschied nehmen müssen wir im September dagegen von einem sehr hellen Planeten am Himmel: unserem inneren Nachbarplaneten Venus. Dessen Rolle als „Morgenstern“ geht in diesem Monat zu Ende. Nur Anfang September ist es noch möglich, den Planeten in der Morgendämmerung kurz vor Sonnenaufgang am Osthorizont im Sternbild Löwe aufzuspüren. Danach bleibt Venus bis Dezember im Glanz der Sonne verschwunden. Sie wird erst zum Jahresende wieder auf der anderen Seite der Sonne als „Abendstern“ in Erscheinung treten.  

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