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Wort des Monats August 2006

Es gab die Sky-Marshals nicht erst seit den Anschlägen vom 11. September 2001, nur machte sie diese Tragödie salonfähig. Waren sie einst auf Flügen der israelischen El Al oder auf Interflug-Routen eingesetzt, waren die Sky-Marshals seit den Flugzeuganschlägen in den USA allgegenwärtig im Luftverkehr.

von Dietmar Hefendehl, wissen.de

In Deutschland sicheren Luftsicherheitsbeamte die Flüge, ein kuscheliges Wohlgefühl will bei diesem Wortungetüm aber nicht aufkommen. Wie schön wäre es, von einem Sky-Marshal ... aber lassen wir das. Anfangs waren die Sky-Marshals ein heiß diskutiertes Thema, das sehr emotional geführt wurde. Inzwischen gab es etliche weitere Anschläge, einige davon auch auf U-Bahnen und Züge. Und im August erreichte der internationale Terror auch Deutschland. Zwei Kofferbomben, die glücklicherweise nicht explodierten, hätten im schlimmsten Fall viele Menschenleben gefordert. Die Sicherheitsdiskussion wurde wieder vehementer geführt und der Einsatz von Rail-Marshals gefordert. Die Gewerkschaft der Polizei frohlockte und forderte neue Stellen, schließlich verkehren täglich über 30.000 Züge.

Wir freuen uns auf jeden Fall schon mal auf die Zugpolizisten (Verzeihung: Rail-Marshals – wir sind ja immer noch in Deutschland), die mit gezogener Waffe Sitzplatzstreitigkeiten schlichten und uns im Notfall auch mal den Weg zur Toilette freischießen.

Vielen Dank jedenfalls an Herrn Stefan Weißlich, der uns folgende Erklärung für sein und unser Wort des Monats schickte:

"Rail-Marshal" – Was für ein Wort! Es gibt uns die Sicherheit und Geborgenheit unserer Kindertage zurück.

Ich sehe es genau vor meinem inneren Auge: Die Regionalbahn RB 25300 von Marburg an der Lahn nach Kassel Hauptbahnhof schleppt sich durch die farblose Morgendämmerung. Zugestiegen um 4:45 Uhr am Haltepunkt Bürgeln, sitze ich im Großraumwagen und scanne nervös meine Umgebung nach Mitreisenden mit Vollbart und herrenlosen Trollis.

Auf freier Strecke zwischen den Stationen Baunatal-Guntershausen und Baunatal-Rengershausen kommt der Zug außerplanmäßig zum Stehen. Am Ende des Wagons wird die Tür geöffnet – erst höre ich Stimmen und bald darauf das näherkommende amelodische Klingeln von Reitersporen.

Staubbepudert und umweht vom herben Aroma der Prärie belegen zwei Männer die Sitzgruppe neben meiner. Sie legen ihre gestiefelten Füße auf die gegenüberliegenden Sitzpolster, ziehen ihre Stetsons tief ins Gesicht und schweigen.

Jetzt weiß ich, ich kann mich sicher fühlen, denn mit mir reisen der Rail-Marshall Matt Dillon und sein treuer Deputy Festus Haggen.

Danke Deutsche Bahn!

Allen Teilnehmern an unserer Aktion “Wort des Monats“ vielen Dank. Senden Sie uns auch im kommenden Monat wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte E-Mail-Adresse: wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es einen nagelneuen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen (dafür aber nicht die Begründung vergessen!). Wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

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