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Landflucht: Immer mehr Deutsche zieht es in die Städte

Der Demografische Wandel hält seit Jahren nunmehr Einzug in der deutschen Gesellschaft. Ein Phänomen hierbei ist die zunehmende Landflucht der Bevölkerung. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen den Wohnraum in ländlichen Gegenden verlassen, um in die urbaneren Städte zu ziehen. Gründe für diese Tendenz gibt es viele.

Möbelwagen
Viele packen ihre Sachen und ziehen vom Land in die Stadt.

Phänomen Landflucht

Bereits seit vielen Jahren veröffentlichen Experten in regelmäßigen Abständen erschreckende Prognosen. Die deutsche Bevölkerung wird nicht nur zunehmend älter und es fehlt an allen Ecken und Enden an Fachkräften. Es tritt zudem mehr und mehr ein Phänomen auf, das man in Zeiten der Industrialisierung zurückgelassen geglaubt hatte: die Landflucht.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft mit Sitzt in Köln kämpfen einige ostdeutsche Regionen bereits mit einem Bevölkerungsschwund von bis zu zwanzig Prozent. Doch auch im Westen Deutschlands sieht es in dieser Hinsicht nicht rosig aus.

Warum „fliehen“ die Menschen in die Stadt?

Nun stellt sich die Frage, wo die Gründe dafür liegen, dass immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Lange Zeit meinte man beobachtet zu haben, dass überwiegend junge Menschen dem Leben in der Stadt den Vorzug geben. Ein häufig genanntes Motiv ist die Bildung. Die Schule meist noch in der ländlichen Heimat besucht, zieht es viele zum Studium in größere Universitätsstädte. Und auch der Einstieg ins Berufsleben scheint in den Metropolen leichter zu fallen. Doch in den letzten Jahren zeigt sich außerdem, dass auch ältere Menschen das ländliche Idyll verlassen, um ihren Lebensabend in der Stadt zu verbringen. Während früher in der Regel eines der Kinder das elterliche Anwesen und damit auch die Pflege der Eltern übernahm, sind alte Menschen heutzutage häufig auf fremde Hilfe angewiesen. Spätestens, wenn der Gesundheitszustand das eigenständige Autofahren nicht mehr möglich macht, wird ein Umzug, wenn auch schweren Herzens, in Erwägung gezogen.

Das Leben in der Stadt – anonym, aber unterhaltsam

Ob für jung oder alt, eins ist gewiss: Das Stadtleben bietet einen Mehrwert an Unterhaltung und Freizeitangeboten. Mal schnell zum Shoppen in die Fußgängerzone oder am Abend ins Kino, all das ist in der Stadt kein Problem. Hinzu kommt, dass in der Stadt zwangsläufig eine gewisse Anonymität herrscht – für viele ein Stück Freiheit.

Eben diese Anonymität schreckt andere hingegen ab. Sie brauchen die Gemeinschaft, die Hilfe unter Nachbarn, die Tatsache, dass jeder jeden kennt, wie die Luft zum Atmen. Apropos Luft zum Atmen: die frische Landluft, der Duft von frisch gemähtem Gras und dem unweit gelegenen Kuhstall übt auf Naturverbundene sicherlich einen größeren Reiz aus als Autoabgase und der Qualm der Industrieschornsteine. Zwar laden in städtischem Gebiet Parks und Grünflächen zum Spazieren und Verweilen ein, doch das wahre Naturerlebnis, wie es zum Beispiel weitläufige Wälder und Wiesen liefern, bleibt hier aus.

Flexibilität und Mobilität in der Stadt

Ein entscheidender Vorteil, den das Stadtleben mit sich bringt, ist die Mobilität. Dank des gut ausbebauten Nahverkehrssystems ist das eigene Auto nahezu überflüssig, vielleicht sogar lästig. Garagen und eigene Stellplätzte sind rar, die allabendliche Parkplatzsuche unter Umständen überaus nervtötend. Da neuerdings neben dem Reisen mit Flugzeug oder Bahn auch die Fernbusbranche boomt, verliert das Argument, das eigene Auto für Urlaubsreisen zu benötigen, zunehmend an Bedeutung. Die einzige logische Konsequenz lautet daher: das Auto kann bzw. muss weg. Eine Möglichkeit es loszuwerden, stellen Internetplattformen zum Gebrauchtwagen Ankauf dar. Dabei werden die Daten vorab online eingegeben und das Fahrzeug danach bei einem Vertragshändler vor Ort vorgeführt und verkauft.

Der Teufelskreis Landflucht

Allerdings liegt nahe, dass die anhaltende Landflucht erhebliche negative Konsequenzen nach sich zieht. Ein Grund für den Wegzug der Menschen ist die mangelnde Infrastruktur. Es fahren nicht ausreichend Busse, die Dichte des gesundheitlichen Versorgungsnetzes lässt zu wünschen übrig und die Internetverbindung ist ebenfalls häufig schlecht. Doch all diese Probleme werden zunehmen, je weniger Menschen auf dem Land leben. Wenn ein Internetanbieter es nicht für nötig hält, für 20.000 Nutzer neue Leitungen zu verlegen, wird er dies für 15.000 potentielle Zahler wohl erst recht nicht tun. In ähnlicher Weise müssen gezwungenermaßen Betreiber von Kinos, Freibädern und anderen Einrichtungen Kosten und Nachfrage abwägen. Die Infrastruktur nimmt dementsprechend weiter ab und animiert so weitere Menschen zum Wegzug – ein Teufelskreis.

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