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Zehn Ernährungsmythen unter der Lupe

CoGAP – Center of Genetic Analysis and Prognosis / abc healthcare

Fett ist schlecht, Proteine gut, abends essen macht dick und weniger essen hilft beim Abnehmen. Was ist dran an diesen und anderen Annahmen über eine gesunde Ernährung? Die Ernährungs- und Lebensmittelexpertin Veronika Meier vom Center of Genetic Analysis and Prognosis (CoGAP) in Köln nimmt zehn Ernährungsmythen unter die Lupe und erklärt uns, was dahinter steckt.

Ernährungsmythen
CoGAP – Center of Genetic Analysis and Prognosis / abc healthcare

Mythus 1: Kohlenhydrate machen dick

Kohlenhydrate dienen unserem Körper und vor allen Dingen unserem Gehirn als Energielieferant. Durch den Verzehr von kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Reis oder Brot nimmt der Körper Zucker auf, den er in Energie umwandelt. Letztendlich kommt es bei dem Verzehr von Kohlenhydraten auf die Energiebilanz an – nimmt der Mensch mehr Kalorien auf, als er benötigt, speichert der Körper den Überschuss und Fettpolster entstehen. Da jeder Mensch Nährstoffe unterschiedlich verarbeitet, kann eine Stoffwechselanalyse hilfreich sein, um die eigene Ernährung richtig einzustellen.

Mythus 2: Fettes Essen macht dick

Der Körper braucht sowohl Kohlenhydrate als auch Fette, um gesund zu bleiben. Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren, die unter anderem im Lachs oder Hering stecken, sind sogar lebenswichtig für den Körper. Auch ungesättigte Fettsäuren, die zum Beispiel in pflanzlichen Ölen vorkommen, werden für den Aufbau des Gehirns, für die Produktion von bestimmten Hormonen oder für die Immunabwehr benötigt. Fette sind also per se nicht schlimm. Wer abnehmen möchte, sollte darauf achten, gute Fette in Maßen (60-80g pro Tag) aufzunehmen. Sie sind wichtige Bausteine einer gesunden Ernährung.

Mythus 3: Eine eiweißreiche Ernährung ist gesund und gut für die Figur

Das stimmt so leider nicht ganz. Eiweiße sorgen zwar dafür, dass mehr Sättigungshormone freigesetzt werden und man so schneller satt ist. Zudem regt die geringe Kohlenhydratzufuhr die Fettverbrennung an. Allerdings ist bei einer eiweißhaltigen Ernährung auch Vorsicht geboten. Durch den Verzicht auf Obst und Gemüse, die ja Kohlenhydrate in Form von Zucker und Stärke beinhalten, wird der Körper nicht auszureichend mit Vitaminen und Mineralien versorgt. Zudem können die Nieren ein Überangebot an Eiweiß nicht mehr verwerten. Die Gefahr von Nierensteinen und Knochenerkrankungen steigt. Die Ernährung sollte daher immer ausgewogen und auf den eigenen Körper abgestimmt sein.

Mythus 4: Wenn ich aufs Essen verzichte, nehme ich ab

Das ist leider ein Trugschluss. Ohne die Zufuhr von Nahrung gerät der Körper unter Stress und fährt seinen Energieverbrauch herunter. Die Folge: Er baut überwiegend Muskel- und kaum Fettgewebe ab. Bei einem völligen Verzicht auf Nahrung wird der Körper nicht ausreichend mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Mangelerscheinungen wie eine verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Schwächegefühl oder Sehstörungen können auftreten. Um diesen Mangelerscheinungen vorzubeugen und um Heißhunger-Attacken im Keim zu ersticken, ist es wichtig, regelmäßig zu essen und die richtigen Lebensmittel zu sich zu nehmen. Wie viele Mahlzeiten am Tag verzehrt werden sollten, entscheidet die individuelle Stoffwechselveranlagung.

Mythus 5: Light-Produkte helfen beim Abnehmen

Wer gerne zu Light-Produkten greift, isst häufig mehr. Denn Fett ist sättigend, Lightprodukte leider in der Regel nicht. So nimmt man unbewusst oft die gleiche Menge an Kalorien auf. Lightprodukte ersetzen Zucker oft durch Süßstoffe. Diese gaukeln dem Körper die Aufnahme von Zucker vor. Als Reaktion auf diesen Schwindel schüttet der Körper Insulin aus, um den vermeintlich hohen Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht halten zu können. Da jedoch nur wenig Zucker im Blut ist, sinkt der Blutzuckerspiegel drastisch ab. Die Folgen sind dann oft Heißhungerattacken auf Süßes.

Mythus 6: Nach 18 Uhr Essen macht dick

Das ist nicht der Fall. Entscheidend ist, wie viele Kalorien man am Tag insgesamt aufgenommen hat. Hat man die eigene Energiebilanz nicht überschritten, kann man auch nach 18 Uhr eine Mahlzeit zu sich nehmen. Man sollte jedoch darauf achten, nicht kurz vor dem Zubettgehen die letzte Mahlzeit einzunehmen. Sonst kann der Schlaf durch die anhaltende Verdauung gestört werden.

Mythus 7: Nur mit Diäten kann man abnehmen

Kurzfristig mag das vielleicht stimmen. Doch oft tappt man in die Jojo-Effekt Falle. Diäten sind oft an Verzichte gebunden, die auf Dauer unglücklich machen. Eine Ernährungsumstellung hilft langfristig dabei, Pfunde zu verlieren. Auch übt man dabei keinen Verzicht aus und spart sich Frust und Frustessen auf. Bei einer Ernährungsumstellung ist es wichtig, die eigene Ernährung an den eigenen Ernährungsalltag anzupassen. Am besten gelingt das, wenn man seinen eigenen Stoffwechsel genau kennt.

Mythus 8: Vitaminpräparate können Obst und Gemüse ersetzen

Wer sich ausgewogen ernährt, benötigt Vitamin-Präparate nicht. Der Verzehr von Obst und Gemüse senkt das Risiko für Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Schlaganfälle. Besonders wichtig ist hier das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe, den sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, die Obst und Gemüse erst gesund machen. Das ist bei einer Aufnahme von isolierten Vitaminen in Tablettenform nicht der Fall. Also lieber zu Apfel und Karotte als zu Tabletten greifen.

Mythus 9: Die Gene sind schuld, dass ich dick bin

„Ich habe einen schweren Knochenbau“ oder „die Gene sind schuld“ wird oft als Erklärung für Übergewicht genommen. Dabei ist an letzterer Aussage sogar etwas Wahres dran. Die unterschiedliche genetische Veranlagung der Menschen hat zur Folge, dass jeder Einzelne Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße oder Fette unterschiedlich verstoffwechseln kann. DNA-Analysen können Aufschluss über das individuelle Stoffwechselverhalten geben.

Mythus 10: Wer frühstückt, nimmt zu

Ganz im Gegenteil. Eine US-Studie zeigt, dass Menschen, die regelmäßig frühstücken, schlanker sind als diejenigen, die nicht frühstücken. Körperlich Arbeitende sollten sogar reichlich frühstücken. Die durch das Frühstück gelieferte Energie wird gebraucht, um den Körper bei Kräften zu halten. Gleiches gilt für Kinder, die einen schnelleren Stoffwechsel als Erwachsene haben. Also: Nie ohne Frühstück zur Arbeit oder zur Schule.

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