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Deutschland: Im Herzen Europas

Deutschland
Amtlicher Name:
Bundesrepublik Deutschland
Fläche:
357 027 km²
Einwohner:
82,7 Mio.
Hauptstadt:
Berlin
Amtsprache(n):
Deutsch
Währung:
1 Euro = 100 Cent

Landesnatur

Wie viel Wald wächst im Land der Romantik?

Deutschland ist eines der waldreichsten Länder der EU. Knapp ein Drittel der Gesamtfläche, rd. 11,1 Mio. ha, ist mit Wald bedeckt. Zudem nimmt die Waldfläche kontinuierlich zu, allein zwischen 1992 und 2004 pro Jahr durchschnittlich um 160 km². Dunkle Wälder waren v. a. in der romantischen Dichtung des 19. Jh. beliebte Schauplätze – man denke nur an die Märchen der Brüder Grimm.

Im Süden wird Deutschland von den Alpen begrenzt, im Norden von der Nord- und Ostsee. Der Alpenanteil beschränkt sich auf die Allgäuer, Bayerischen und Salzburger Alpen mit dem höchsten Berg Deutschlands, der 2962 m hohen Zugspitze. Zwischen Alpen und Donau liegt das hügelige Alpenvorland. Das Norddeutsche Tiefland wurde von der Eiszeit geformt. Während die Ostseeküste meist sandig ist, hat die Nordseeküste fruchtbares Marschland.

Bevölkerung

Sterben die Deutschen bald aus?

Da seit Mitte der 1970er Jahre die Zahl der Geburten deutlich niedriger ist als die Zahl der Sterbefälle, kommt es in jedem Fall zu einem langfristigen Bevölkerungsrückgang. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2050 nurmehr rd. 75 Mio. Menschen in Deutschland leben werden. Selbst durch eine gesteigerte Zuwanderung kann dieser Trend nicht mehr aufgehalten werden.

Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer beträgt 7,3 Mio., v. a. Türken, Italiener, Serben, Griechen und Polen. Ethnische Minderheiten bilden die rd. 60 000 Sorben (Wenden), die rd. 50 000 Dänen, die über 50 000 Sinti und Roma sowie die 12 000 Friesen.

Wo leben die meisten Menschen?

Abgesehen von den Stadtstaaten Berlin (rd. 3800 Einwohner pro km²), Hamburg (rd. 2300 Einwohner pro km²) und Bremen (rd. 1600 Einwohner pro km²) ist Nordrhein-Westfalen mit über 500 Einwohnern pro km² am dichtesten besiedelt.

Seit der Wiedervereinigung kommt es im Osten zu einer verstärkten Landflucht. Zumeist junge, gut ausgebildete Menschen ziehen aus den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns (das Bundesland hat mit 74 Einwohnern pro km² die geringste Einwohnerdichte), Brandenburgs (87 Einwohner pro km²) und Sachsen-Anhalts (122 Einwohner pro km²) in die Städte, vorzugsweise in den Westen.

Wirtschaft

Woran mangelt es den Deutschen?

Deutschland ist ein ausgesprochen rohstoffarmes Land. Bei der Versorgung mit Rohstoffen und Energie ist es weitgehend auf Einfuhren angewiesen. Die Auslandsabhängigkeit ist besonders bei Bauxit, Mangan, Titan, Rohphosphat und Wolfram hoch. Der größte Teil des benötigten Erdöls und Erdgases muss ebenfalls aus dem Ausland importiert werden.

In geringen Mengen verfügt Deutschland über Eisen-, Kupfer- und Zinnerz, dessen Abbau mittlerweile aber aus Rentabilitätsgründen eingestellt wurde. Nur die Braunkohlen-, Steinkohlen- und Salzlagerstätten sind noch für viele Jahre abbauwürdig.

Was sind deutsche Exportschlager?

Autos. Nach Japan und den USA ist der Export-Weltmeister Deutschland der drittgrößte Autoproduzent der Welt. Exportschlager sind ferner Maschinen, Anlagen und Chemieprodukte. Ebenfalls von Bedeutung sind die Nahrungsmittelindustrie und die Umwelttechnik.

Die Elektrotechnik gehört zu den Industriebereichen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Ihre Produktionsstätten werden aber zunehmend ins Ausland verlagert. Bis Ende der 1950er Jahre dominierte die Eisen schaffende Industrie in Verbindung mit dem Steinkohlenbergbau. Durch das Vordringen von Erdöl und Erdgas ging die Steinkohlenförderung zurück.

Verkehr

Wie viele Autos rollen durch Deutschland?

Im Jahr 2005 betrug die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge 54,5 Mio., davon sind 45,4 Mio. Personenkraftwagen. Auf deutschen Straßen sind jedoch viel mehr Kraftfahrzeuge unterwegs, da Deutschland ein wichtiges Transitland ist.

Über vier Fünftel des Personenverkehrs werden mit dem eigenen Auto bewältigt, nur knapp ein Fünftel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Eisenbahn ist nach wie vor von großer Bedeutung. Für den Personenverkehr wird das Schnellstreckennetz zunehmend ausgebaut.

Wo liegt Europas größter Binnenhafen?

Mit einer Gesamtfläche von 10 km² ist der Umschlagplatz im Duisburger Stadtteil Ruhrort nicht nur der größte Binnenhafen in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Die deutsche Binnenschifffahrt stützt sich auf die Stromsysteme von Rhein (mit Neckar, Main und Mosel), Weser, Elbe, Oder, Havel, Saale und auf ein weit verzweigtes Kanalnetz (Rhein-Herne-Kanal, Dortmund-Ems-Kanal, Mittellandkanal, Elbe-Seitenkanal, Oder-Spree-Kanal, Elbe-Havel-Kanal u. a.).

Auf Grund seiner geographischen Lage mit Zugang zur Nord- und Ostsee sowie seiner Wirtschaftskraft hat Deutschland eine starke Stellung in der Seeschifffahrt. Die wichtigsten Seehäfen sind Hamburg, Bremen mit Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden, Brunsbüttel, Lübeck, Rostock und Puttgarden.

Geschichte

Woher stammt der Name »Deutschland«?

Der Landesname ist durch eine Bedeutungserweiterung des Wortes »deutsch« entstanden. Dieses, seit dem 8. Jh. belegt, bezeichnete ursprünglich die in einem Teil des Frankenreichs gesprochene germanische Sprache. Im 11. Jh. wurde es auf deren Sprecher (»deutsche Leute«) und ihre Wohngebiete (»deutsche Lande«) übertragen. Das Wort Deutschland ist seit dem 15. Jh. geläufig.

Übrigens: Das Frankenreich brach nach dem Tod Karls des Großen (814) auseinander. Es entstanden ein west- und ein ostfränkisches Reich, die Vorläufer Frankreichs und Deutschlands. Die deutsche Westgrenze, die der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch entsprach, war damit fixiert.

Wer trug die erste deutsche Krone?

911 wählte der hohe Adel Konrad I. zum ersten deutschen König. Mit dieser Wahl vollzog sich der Übergang vom ostfränkischen zum Deutschen Reich.

Der Reichsname lautete seit dem 11. Jh. »Römisches Reich«, seit dem 13. Jh. »Heiliges Römisches Reich«, seit dem 15. Jh. mit dem Zusatz »Deutscher Nation«. Dem Königtum standen weitgehend selbstständige Stammesherzogtümer gegenüber (Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben). Gegen sie konnten sich erst die Ottonen Heinrich I. und Otto I. durchsetzen. Otto ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen. Er begründete damit die Anwartschaft des deutschen Königs auf die Kaiserwürde und eine 300-jährige deutsche Herrschaft in Ober- und Mittelitalien.

Der Idee nach war das Kaisertum universal, verlieh die Herrschaft über das ganze Abendland und hatte Vorrang vor dem Papsttum. Dieser Vorrang ging im Investiturstreit unter dem Salier Heinrich IV. verloren. Eine neue Blüte erlebte das Kaisertum unter den Staufern Friedrich I., Heinrich VI. und Friedrich II. Zugleich begann eine territoriale Zersplitterung, die die Zentralgewalt schwächte. Es folgte die Zeit des Gegen- und Doppelkönigtums (Interregnum, 1256–1273). Seit Rudolf I., dem ersten Habsburger auf dem Thron, wurde Hausmachtpolitik das Hauptinteresse jedes Königs.

Welcher Friedensschluss besiegelte die konfessionelle Spaltung?

Der Westfälische Friede, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, brachte die völlige Gleichstellung der katholischen und der protestantischen Konfession.

Aus Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche leitete Martin Luther (1483–1546) im Jahr 1517 die Reformation ein, die sich rasch ausbreitete. Hauptnutznießer der Reformation waren die Landesfürsten. Sie erhielten im Augsburger Religionsfrieden 1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Deutschland war damals zu 80 % protestantisch, doch konnte die katholische Kirche in der Folgezeit viele Gebiete zurückgewinnen.

Bald verschärften sich die konfessionellen Gegensätze. Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste schließlich 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der sich von einem deutschen Religionskrieg zu einem europäischen Machtkampf entwickelte.

Welches war das »Jahr der Deutschen«?

Der Herbst 1989 zählt wohl zu den glücklichsten Tagen der neueren deutschen Geschichte. Als Höhepunkt einer friedlichen Revolution in der DDR fiel in der Nacht vom 9. zum 10. November die 1961 errichtete Berliner Mauer. Dies war der Startschuss zur Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands.

Die Teilung Deutschlands war eine Folge des Zweiten Weltkriegs, nach dessen Ende die vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) die Regierungsgewalt in Deutschland übernahmen. Die zunehmenden Gegensätze zwischen den Westmächten und der UdSSR führten schließlich 1949 zur Teilung des Landes. Im Westen entstand die Bundesrepublik Deutschland, im Osten die Deutsche Demokratische Republik.

Versorgungsmängel und der Widerstand der SED-Führung gegen die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ließen in den späten 1980er Jahren die Missstimmung in der DDR wachsen. In vielen Großstädten kam es zu Demonstrationen für Demokratie, Meinungs- und Reisefreiheit, die schließlich zur Öffnung der innerdeutschen Grenze führten.

Am 18. 5. 1990 schlossen die beiden deutschen Staaten einen Vertrag über die Bildung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, die am 1. 7. 1990 mit der Einführung der D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel wirksam wurde. Am 3. 10. 1990 wurde die Wiedervereinigung in Berlin feierlich vollzogen.

Musik

Welcher deutsche Komponist prägte die Wiener Klassik?

Der 1770 in Bonn geborene Ludwig van Beethoven war neben Joseph Haydn (1732 bis 1809) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) der größte Komponist der Wiener Klassik.

Sein großes Verdienst besteht darin, die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik in vor ihm ungeahnter Weise gesteigert zu haben. So revolutionierte er die Klaviertechnik, erweiterte die Größe des Orchesters, dehnte die Länge der Sinfonien aus und gab den Kompositionen thematische Schwerpunkte. Sein Stil war geprägt von starkem persönlichem Gestaltungswillen, bei dem die subjektive Empfindung im Zentrum des musikalischen Ausdrucks stand. Ein Gehörleiden führte bis 1819 zur völligen Ertaubung. 1827 starb Beethoven in Wien.

Neben dem berühmten Bonner setzten auch andere deutsche Komponisten Maßstäbe in der Musikgeschichte: Im Barock dominierten Johann Sebastian Bach (1685–1750) und Georg Friedrich Händel (1685–1759). Auf dem Gebiet der Oper entstand mit Carl Maria von Webers (1786–1826) »Freischütz« die Gattung der Romantischen Oper und Richard Wagner (1813–1883) schuf das als Gesamtkunstwerk angelegte Musikdrama. Ähnlich bedeutsam war der deutsche Beitrag in den Gattungen Kammermusik und Lied mit Werken von Robert Schumann (1810–1856), Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847) u. a.

Wer gilt als größter deutscher Dichter?

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ist die herausragende Gestalt der deutschen Literaturgeschichte. Gemeinsam mit Friedrich Schiller (1759–1805) verschaffte er der deutschen Literatur Weltgeltung.

Im geistigen Klima des Sturm und Drang entstanden Goethes »Urfaust«, »Götz« und »Werther«. Die daran anschließende Epoche der Klassik überwand die Naturschwärmerei und strebte eine antikisierende Kunstauffassung an. Harmonie, Bändigung der Formen und das Humanitätsideal zeigten sich bei Goethe im Gedicht, im Drama (»Tasso«, »Iphigenie«) und im Bildungsroman (»Wilhelm Meister«). Ähnlich verlief der Weg Schillers, der sich nach revolutionären Anfängen (»Die Räuber«, »Kabale und Liebe«) zum Dichter umfassender Gedankenlyrik und weltgeschichtlicher Dramen (»Don Carlos«, »Wallenstein«, »Wilhelm Tell«) entwickelte.

Weitere einflussreiche deutsche Dichter waren u. a. Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781), der in seinen Stücken (»Emilia Galotti«, »Minna von Barnhelm«, »Nathan der Weise«) das aufklärerische Gedankengut beispielhaft umsetzte und zum Begründer des bürgerlichen Trauerspiels wurde, Theodor Fontane (1819–1898), einer der bedeutendsten Erzähler und Romanciers des Realismus, sowie Thomas Mann (1875–1955) und Hermann Hesse (1877–1962), deren Romane die Krisen der damaligen Zeit und den Menschen in seiner Suche nach dem Sein spiegelten. Bertolt Brecht (1898–1956) revolutionierte durch sein »episches Theater« die Bühne.

Wussten Sie, dass …

die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1949 etwa 12 Mio. Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufnahm?

seit einigen Jahren der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist?

der Bodensee mit 254 m der tiefste natürliche See Deutschlands ist?

Was geschah …

1740?

Friedrich II., der Große (1712–1786), besteigt den preußischen Thron. Unter seiner Herrschaft wird Preußen nach Österreich die zweite deutsche Großmacht.

1848?

In der Frankfurter Paulskirche konstituiert sich die erste gewählte deutsche Nationalversammlung.

1871?

Das Deutsche Reich wird gegründet. Als Kanzler bestimmt Otto von Bismarck (1815 bis 1898) bis 1890 die Politik des Kaiserreichs.

1918?

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird die Deutsche Republik ausgerufen.

1933?

Adolf Hitler (1889 bis 1945) wird zum Reichskanzler ernannt.

1939?

Mit dem von Hitler initiierten Angriff gegen Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.

1949?

Der Parlamentarische Rat verabschiedet in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

Wussten Sie, dass …

jährlich über 20 Mio. ausländische Touristen – v. a. aus den Niederlanden, USA und Großbritannien – Deutschland besuchen? Schwerpunkt bildet der Städtetourismus, der neben Berlin und München historische Zentren wie Heidelberg und Weimar ansteuert.

Deutschland über das dichteste und nach den USA längste Autobahnnetz der Welt verfügt (über 12 200 km)?

es in Deutschland 15 Nationalparks gibt? Die ältesten sind der Nationalpark Bayerischer Wald (1970) und der Nationalpark Berchtesgaden (1978), die flächenmäßig größten Schutzgebiete bilden die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches und Niedersächsisches Wattenmeer (441 000 ha und 240 000 ha).

das reinste Hochdeutsch in Hannover gesprochen wird?

Helmut Kohl am längsten das Amt des Bundeskanzlers ausgeübt hat? Ab 1982 stand der CDU-Politiker 16 Jahre lang an der Spitze der Regierung.

die Künstlergruppen »Brücke« in Dresden und »Blauer Reiter« in München Deutschland eine führende Stellung im Expressionismus brachten?

Rügen mit 926 km² die größte deutsche Insel ist?

die Quelle des Rheins in den Schweizer Alpen liegt?

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