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Hammurapi: Strenger Gesetzgeber des Orients

Was bedeutet der Name des Königs?

Hammurapi, König und babylonischer Reichsgründer, schuf durch seine Eroberungen ein mesopotamisches Großreich. Der Name bedeutet wahrscheinlich »Der (vergöttlichte) Onkel väterlicherseits ist Heiler«. Allgemein wird der Name des Königs auch mit Hammurabi wiedergegeben. Heute tendiert man jedoch eher zu Hammurapi, genauer Ammurapi.

Die Regierung Hammurapis fällt in die Jahre zwischen 1792 und 1750 v. Chr., in die erste babylonische Dynastie. Da es nicht möglich ist, für diesen Zeitraum genaue Daten anzugeben, könnte seine Herrschaft auch etwa 100 Jahre früher oder später angesetzt werden.

Wie ging Hammurapi mit den Nachbarvölkern um?

Im Allgemeinen gut. Ein Vertrauensmann des Königs Zimri-Lim vom Reich Mari am babylonischen Hof berichtet in einem Brief: »Was Hammurapi auch unternimmt: er informiert mich stets. Wo er sich auch aufhält, so kann ich mich doch zu ihm begeben. Alles, was er im Sinn hat, teilt er mir mit (…).« Auch wenn der mariotische Gesandte sicherlich übertreibt, zeigt das Schreiben an Zimri-Lim einen jovialen Umgang des Königs von Babylon mit ausländischen Gesandten. Die Korrespondenz mit Mari beweist auch, dass Hammurapi imstande war, bestehende Bündnisse zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen. Darauf, dass der König ein kühl denkender Stratege war, lässt die Tatsache schließen, dass er keinerlei Skrupel kannte, seine alten Bundesgenossen anzugreifen und ihre Staaten seinem Einflussbereich anzugliedern. Hammurapi war als Eroberer jedoch nicht grausam, schonte meist die Bewohner der eingenommenen Städte. So war er ein milderer Herrscher als die meisten anderen Könige Mesopotamiens.

Was kennzeichnet sein Selbstverständnis?

Hammurapi sah sich in bester Nomadentradition als eine Art übergeordneter Vater seiner Untertanen. Hier unterscheidet er sich etwa von den Königen der dritten Dynastie von Ur oder der Dynastie von Isin, die gegenüber ihrem Volk Anspruch auf göttliche Ehren erhoben. Aus den Briefen, die der König und seine Kanzlei bis in die entlegensten Provinzen schickten, geht hervor, dass sich Hammurapi selbst für alltägliche Vorgänge interessierte; oft genug mischte er sich auch in Streitigkeiten zwischen seinen Beamten und seinen Untertanen ein. Die erhaltenen Anweisungen an seine Emissäre zeigen ganz deutlich, dass er dabei durchaus auch zum Wohl einer Privatperson und gegen die Interessen des Staates entschied.

Was ist seine größte Leistung?

Die neben der Errichtung des altbabylonischen Reichs bekannteste Leistung des Königs ist wohl der von ihm geschaffene Gesetzeskanon. Bereits am Anfang seiner Herrschaft hatte Hammurapi Reformgesetze erlassen. Dieses Verhalten ist für einen mesopotamischen Herrscher jedoch nichts Ungewöhnliches. Zur Legitimation der Herrschaftsansprüche gehörte in dieser Region seit jeher das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Teilweise griff Hammurapi bei der Erstellung seiner Gesetze auf ältere Rechtssammlungen des Alten Orients zurück, zu nennen wäre hier der Kodex des Königs Lipit-Ishtar von Isin.

Wussten Sie, dass …

es Hammurapi gelungen war, hohe Beamte von Mari dazu zu bringen, ihn mit wertvollen Informationen über den Verbündeten zu versorgen?

sein Gesetzeskanon keinen Unterschied zwischen den Bewohnern der babylonischen Kerngebiete und den Menschen der unterworfenen Territorien machte?

in dem Relief auf der Oberseite der Stele, auf der Hammurapi seine Gesetze einmeißeln ließ, der König vor dem Sonnengott dargestellt ist?

das Strafmaß für Verbrechen im Kodex Hammurapi im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Gesetzeswerken recht drastisch ist?

Was ist der Kodex Hammurapi?

Die 2,25 Meter hohe Stele des Kodex Hammurapi wurde 1902 in Susa im Westiran entdeckt, wohin sie als Kriegsbeute verschleppt worden war. In 49 Kolumnen sind ein Vor- und ein Nachwort sowie 282 Einzelparagraphen eingemeißelt. Umstritten sind Natur und Absicht des Kodex. So fehlt etwa die Darstellung vorsätzlichen Mords. Immerhin ist es relativ sicher, dass der Rechtskanon zur Anwendung kam. In einem altbabylonischen Dokument wird erwähnt, ein Urteil sei gemäß der Stele des Hammurapi gefällt worden. Auch ruft der König im Epilog dazu auf, dass der Ratsuchende sich die für seinen Fall relevanten Stellen des Textes vorlesen lassen und sein Urteil finden möge.

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