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D-Day: 6. Juni 1944

Wendepunkt des Krieges: Die Landung der Alliierten in der Normandie

Sie gilt als der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa: Als die alliierten Truppen vor 70 Jahren, am 6. Juni 1944, mit einer geballten Streitmacht an der Küste der Normandie landen, ist die bis dahin von deutschen Truppen dominierte "Festung Europa" kaum mehr zu halten. Für Hitler und die deutsche Heeresführung kommt das ganze so überraschend, dass sie sogar tagelang an ein Täuschungsmanöver der Alliierten glauben.

Reste deutscher Panzersperren und Stacheldraht am Strand der Normandie
Nach der Landung

 

Reste deutscher Panzersperren und Stacheldraht am Strand der Normandie drei Tage nach der Landung der Alliierten.

 

Es ist grau und kalt, von Sommer keine Spur: Als die rund 150.000 US-amerikanischen, britischen und kanadischen Soldaten im Morgengrauen des 6. Juni 1944 in ihren Landungsbooten auf die Küste der Normandie zusteuern, haben sie bereits eine stürmische Überfahrt hinter sich. Vor ihnen liegt die Küste Frankreichs – und Hitlers Atlantikwall. Die deutschen Truppen haben die Küste zum Ärmelkanal zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung gemacht, gesichert durch tausende von Minen, Stacheldraht und Spanische Reiter – Panzersperren aus Stahl. In Bunkern versteckte Maschinengewehrposten sind bereit, auf allen zu schießen, dass sich vom Meer her der Küste nähert.

Ziel Westfront - Operation Overlord

Doch schon 1943 hatten der britische Premier Winston Churchill und der US-Präsident Franklin D. Roosevelt beschlossen, einen Angriff auf die Festung zu wagen – trotz der zu erwartenden hohen Verluste. Ihre Hoffnung: Durch die Eröffnung einer Westfront wird das Deutsche Reich zu einem Mehrfrontenkrieg gezwungen, dann müssen sie an der Ostfront, in Italien und in Frankreich gleichzeitig alliierten Offensiven begegnen. Das könnte sie militärisch so schwächen, dass sie verlieren. Nach monatelangen Vorbereitungen in England beginnt daher die "Operation Overlord" mit ihrem wichtigsten Schritt, der Landung in der Normandie. Eigentlich hatte Churchill den 5. Juni dafür festgesetzt, doch schlechtes Wetter erzwingt eine Verschiebung um einen Tag.

Massenangriff auf 100 Kilometern Küste

Mehr als 3.100 Landungsboote, 1.000 Kriegsschiffe und 7.500 Flugzeuge starten in der Nacht über den Ärmelkanal. Drei US-Infanteriedivisionen steuern dabei den westlichen Teil der Landezone an, ihre Ziele tragen die Codenamen Utah- und Omaha-Beach. Nach Osten hin schließen sich die Landezonen Gold, Juno und Sword an, Ziel zweier britischer und einer kanadischen Division. Gegen 05:00 Uhr morgens beginnen die alliierten Kriegsschiffe und Bomber, die Stellungen der Deutschen zu beschießen, kurz darauf öffnen die Landungsboote ihre Klappen und die Soldaten stürmen durch teilweise brusttiefes Wasser an die Strände.

Verwirrung und Chaos auf deutscher Seite

Auf Seiten der deutschen Heeresführung herrscht zu diesem Zeitpunkt noch Unwissen oder Verwirrung. Denn Hitler rechnete zwar mit einer Offensive an der französischen Küste, erwartete sie aber an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals bei Calais. Als die ersten Nachrichten eines Angriffs in der Normandie eintrafen, hielt er dies daher für ein Ablenkungsmanöver der Alliierten. Generalfeldmarschall Rommel, der für die deutschen Divisionen in diesem Gebiet zuständig war, hatte ausgerechnet an diesem Tag auf Heimaturlaub, viele weitere Kommandeure waren in Paris – aufgrund des schlechten Wetters rechnete niemand zu diesem Zeitpunkt und an dieser Stelle mit dem Angriff.

Den Alliierten kommt das Chaos auf deutscher Seite zugute: Die Landung am "D-Day" ist ein Erfolg – allerdings mit blutigem Preis. Tausende Soldaten sterben an den Stränden der Normandie im Gewehrfeuer, durch Minen oder ertrinken. Dennoch haben die alliierten Truppen es geschafft, bis zum Abend des 6. Juni stellenweise fast zehn Kilometer weit ins Landesinnere vorzustoßen. Die Briten haben die Stadt Caen erobert. Mehr als 150.000 alliierte Soldaten befinden sich nun auf französischem Boden. Der erste Schritt, die Landung in der Normandie ist geglückt.

Kein glatter Durchmarsch

Nachschub für die Landungstruppen

Anlandung von Truppen und Material bei Ebbe, wenige Tage nach dem D-Day.

Doch die Hoffnung Churchills und Roosevelts, die Deutschen so zu überrennen, dass ein schneller Durchmarsch bis ins Innere Frankreichs möglich ist, erfüllt sich nicht. Zwar haben die Alliierten bis zum 12. Juni das von ihnen besetzte Gebiet bis auf 100 Kilometer Breite und rund 30 Kilometer Tiefe ausgedehnt und die einzelnen Brückenköpfe miteinander verbunden. Inzwischen sind mehr als 300.000 Soldaten und über 50.000 Fahrzeuge angelandet worden. Den endgültigen Durchbruch erzielen die Alliierten aber erst fast zwei Monate später, als sie am 31. Juli die deutsche Front bei Avranches durchbrechen. Dennoch: Die Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 war einer der Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs – der Anfang vom Ende des Hitlerreichs.

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