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Digitale Grundbildung: Welche Office-Kenntnisse Schüler heute brauchen
Textverarbeitung beginnt mit Formatvorlagen
Wer Überschriften nur fett und größer setzt, merkt den Fehler spätestens beim Inhaltsverzeichnis. Formatvorlagen für Überschriften, Fließtext und Zitate sind die Grundlage, auf der Textprogramme Inhaltsverzeichnisse, Gliederungen und Querverweise selbst erzeugen. Ein gut angelegtes Dokument lässt sich mit wenigen Klicks umgestalten, statt jede Seite einzeln anzufassen.
In höheren Klassen kommen Fußnoten, ein Literaturverzeichnis und Internetquellen mit Abrufdatum hinzu. Für die Literaturrecherche empfiehlt eine Expertin der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, mit Fachlexika und Lehrbüchern einzusteigen und Fundstellen in einer Literaturverwaltung zu sammeln statt auf losen Zetteln. Früh eingeübt, erspart das vor der ersten großen Abgabe viel Nacharbeit.
Tabellen rechnen erst mit sauberen Bezügen richtig
Eine Tabelle ist erst nützlich, wenn sie rechnet. Grundlegend sind Formeln mit Zellbezügen, Funktionen wie SUMME, MITTELWERT und WENN sowie der Unterschied zwischen relativen und absoluten Bezügen, der beim Kopieren einer Formel darüber entscheidet, ob das Ergebnis stimmt. Dazu kommen Sortieren und Filtern, mit denen sich aus hundert Zeilen Messwerten eine Aussage gewinnen lässt. Ein gutes Übungsfeld ist eine kleine Klassenumfrage, deren Antworten ausgezählt, sortiert und als Diagramm dargestellt werden.
Genauso gehört dazu, Diagramme mit kritischem Blick zu lesen. Eine Achse, die nicht bei null beginnt, lässt kleine Unterschiede groß wirken, und ein Kreisdiagramm mit zwölf Segmenten zeigt kaum noch etwas. Eigene Diagramme schärfen den Blick für solche Kniffe, auch in Zeitungsgrafiken und Werbung.
Präsentationen brauchen wenig Text und geklärte Bildrechte
Auf Folien gehören Stichworte, den Zusammenhang stellt der Vortrag her. Eine Kernaussage je Folie, gut lesbare Schriftgrößen und Bilder, die etwas erklären, machen den Unterschied. Für eine erfolgreiche Präsentation empfiehlt Elisabeth Bonneau außerdem, Fachbegriffe erst zu erläutern und dann zu nennen und Zwischenfragen gleich zu Beginn zu regeln.
Spätestens wenn eine Präsentation online geteilt wird, braucht jedes fremde Bild eine Erlaubnis oder eine freie Lizenz. Bei Creative-Commons-Bildern verlangen die Bedingungen meist die Nennung von Urheber und Lizenz. Fotos von Mitschülern berühren zudem das Recht am eigenen Bild.
In geteilten Cloud-Dokumenten helfen klare Absprachen
Gruppenarbeiten entstehen oft in einem gemeinsamen Dokument, an dem mehrere gleichzeitig schreiben. Dazu gehört, Kommentare statt Überschreibungen zu nutzen, Änderungen nachzuverfolgen und über den Versionsverlauf eine frühere Fassung zurückzuholen, wenn jemand versehentlich einen Absatz gelöscht hat.
Geteilte Dateien werfen sofort Datenschutzfragen auf. Freigaben per Link reichen oft weiter als beabsichtigt, und Namen, Noten oder Fotos von Mitschülern haben in offen geteilten Dateien nichts verloren. Vor dem Teilen sollte klar sein, ob jeder mit dem Link die Datei öffnen kann oder nur eingeladene Personen. Zum Schutz des eigenen Kontos gehören außerdem ein starkes, nur dort verwendetes Kennwort und die Zwei-Faktor-Anmeldung, wo die Schule sie anbietet.
Eine klare Dateiablage spart vor jeder Abgabe Zeit
Ordner nach Schuljahr und Fach, Dateinamen mit Datum und Thema statt „Dokument1“ und eine Sicherung außerhalb des Geräts sind schnell eingerichtet. Ebenso nützlich ist Wissen über Dateiformate. Ein Text im Word-Format lässt sich weiterbearbeiten, ein PDF hält das Layout beim Abgeben fest. Beim Wechsel zwischen Schulrechner und eigenem Gerät lohnt vorher ein Test, ob beide Programme das Format sauber öffnen.
Für das Lernen zu Hause genügt eine überschaubare Ausstattung
Viele Schulen stellen ihren Schülerinnen und Schülern über Bildungsprogramme der Hersteller Office-Lizenzen bereit. Bevor Eltern selbst kaufen, lohnt deshalb eine Nachfrage bei der Schule. Wichtiger als ein neues Gerät ist meist ein eigener Arbeitsplatz mit Tastatur und ausreichend großem Bildschirm, denn eine Hausarbeit lässt sich auf dem Smartphone kaum sauber formatieren.
Für Haushalte ohne Schullizenz hält IT-Nerd24 ein Familienpaket für Office 365 bereit, das bis zu sechs Personen gemeinsam nutzen. Laut Beschreibung erhält jedes Mitglied 1 TB Cloudspeicher, und Dokumente lassen sich gemeinsam in Echtzeit bearbeiten, wie es Gruppenarbeiten verlangen. Für den Fall, dass nur ein Kind die Programme braucht, gibt es bei IT-Nerd24 auch ein Einzelabo mit 1 TB Speicher.
Der österreichische Lehrplan nennt die Fähigkeiten konkret
Das österreichische Bildungsministerium beschreibt die Digitale Grundbildung als Pflichtgegenstand an Mittelschulen und AHS-Unterstufen. Unterrichtet wird sie in der 5. bis 8. Schulstufe mit mindestens einer Wochenstunde pro Jahr, gegliedert in die Kompetenzbereiche Orientierung, Information, Kommunikation, Produktion und Handeln.
Der Lehrplan selbst wird dabei sehr praktisch. Schon in der ersten Klasse sollen Kinder einzeln und gemeinsam Texte und Präsentationen strukturieren und formatieren sowie mit Daten einfache Berechnungen durchführen. In der dritten Klasse geht es um cloudbasierte Systeme samt Serverstandort und Datenschutz sowie um die Prüfung eigener Medienprodukte auf Barrierefreiheit. Die vierte Klasse behandelt den Austausch von Daten unter Beachtung des Urheberrechts und des Rechts am eigenen Bild.
In Deutschland verteilt die KMK die Kompetenzen auf die einzelnen Fächer
Ein bundesweites Pflichtfach dieser Art gibt es in Deutschland nicht. Die Kultusministerkonferenz hat 2016 mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ sechs Kompetenzbereiche beschrieben, darunter „Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren“, „Produzieren und Präsentieren“ sowie „Schützen und sicher Agieren“. Die Länder haben sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle Kinder, die zum Schuljahr 2018/2019 eingeschult wurden oder in die Sekundarstufe I wechselten, diese Kompetenzen bis zum Ende der Pflichtschulzeit erwerben können. Vermittelt werden sie fachspezifisch und fachübergreifend. Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen entwickeln dafür zum Beispiel eine gemeinsame Schulcloud.
Woran Eltern erkennen, ob die Grundlagen sitzen
Ein Blick auf die nächste Hausarbeit verrät viel. Am Ende der Sekundarstufe I sollten diese Punkte selbstverständlich sein:
- Überschriften stehen als Formatvorlage, das Inhaltsverzeichnis aktualisiert sich per Klick
- Quellen erscheinen mit Autor, Titel und Abrufdatum im Verzeichnis
- Tabellen rechnen mit Formeln statt mit eingetippten Ergebnissen
- Diagramme tragen beschriftete Achsen und eine Quellenangabe
- Fremde Bilder haben eine Lizenzangabe
- Dateien liegen sinnvoll benannt im passenden Ordner und zusätzlich in einer Sicherung
Das Programm selbst ist dabei zweitrangig. Das Wissen um Formatvorlagen, Bezüge, Bildrechte und eine geordnete Ablage trägt in jeder Office-Umgebung, und genau diese Fähigkeiten meinen die Lehrpläne in Österreich und Deutschland.