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Entspannter Pendeln

Fast die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland sind Berufspendler. Sie müssen längere Strecken mit dem Auto oder der Bahn zurücklegen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen – und das kann ganz schön stressig sein. Das frühe Aufstehen, Staus und Verspätungen wirken sich nachweislich negativ auf die Psyche aus. Doch Arbeitgeber und auch die Beschäftigten selbst können einiges dafür tun, damit das Pendeln entspannter wird.

Münchener U-Bahn
Die Fahrt mit der U-Bahn könnte so entspannt sein, wenn man denn einen Sitzplatz hätte.
Die Autobahn ist mal wieder verstopft, der Zug kommt zu spät und einen Sitzplatz gibt es auch nicht mehr – viele Pendler sind regelmäßig im Stress. Die körperlichen Reaktionen auf solche Situationen lassen sich sogar messen: Stresshormone werden ausgeschüttet, der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck steigt. Diese Belastung kann auf Dauer spürbare Folgen haben. Studien zeigen zum Beispiel, dass Pendler ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden haben und schlechter schlafen als Menschen, die dort arbeiten, wo sie wohnen.

Auch die Gefahr psychischer Erkrankungen steigt durch das Pendeln: Laut einer jüngst veröffentlichten Untersuchung der Techniker Krankenkasse entfielen im Jahr 2017 auf 100 Pendler 242 Fehltage aufgrund von Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen – bei den Beschäftigten mit kurzer Anreise waren es nur 219 Tage. Damit liegen die psychisch bedingten Fehltage bei Pendlern um fast elf Prozent höher als bei Nicht-Pendlern. Bei Frauen liegt die Differenz sogar bei 15 Prozent.

Flexible Arbeitszeiten

Wie lassen sich solche negativen Effekte des Pendelns vermeiden? Zum einen können die Arbeitgeber einiges für ihre pendelnden Mitarbeiter tun: "Vielen Unternehmen ist nicht klar, dass sie mit intelligenten Schichtplänen, guter Arbeitsorganisation und Digitalisierung großen Einfluss darauf haben, wie sehr Pendeln belastet", sagt Albrecht Wehner von der Techniker Krankenkasse.

Setzt der Chef zum Beispiel wichtige Meetings nicht früh morgens an, entsteht weniger Druck, wenn sich der Pendler um wenige Minuten verspätet. Auch flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit bereits während der Fahrt in der Bahn zu erledigen, können hilfreiche Maßnahmen sein. Darüber hinaus wird sich jeder Pendler über einen regelmäßigen Tag im Home Office freuen: Ausgeschlafen und entspannt in den Tag gestartet arbeitet es sich womöglich sogar produktiver.

Stau
Nerviger Stau während der Stoßzeiten gehört leider zum Alltag auf deutschen Straßen.

Aktiv während der Fahrt

Zum anderen haben aber auch die Beschäftigten selbst Einfluss darauf, wie stressig das Pendeln für sie wird. Wer als Autofahrer beispielsweise Fahrgemeinschaften bildet, hat nicht jeden Tag den Stress, sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen – sondern kann während der Fahrt einfach mal die Augen schließen. Doch auch Alleinreisende können ihren Stresspegel senken: indem sie den Arbeitsweg aktiv gestalten.

Untersuchungen legen nahe, dass Pendeln unter anderem deshalb negativ wirkt, weil die damit verbrachte Zeit als vertane Zeit wahrgenommen wird. Experten raten daher dazu, die Fahrt zur Arbeit sinnvoll zu nutzen. In der Bahn kann man zum Beispiel schlafen oder lesen, im Auto einem Hörbuch lauschen oder vielleicht sogar eine neue Sprache lernen.

Bahnfahrerin mit Laptop
Von wegen dösen oder Buch lesen: Viele Bahnpendler arbeiten bereits auf dem Weg zur Arbeit.

Bewegen statt warten

Aktiv zu werden ist auch bei Verspätungen eine gute Idee: Kommt die Bahn oder der Bus nicht, spaziert man – wenn möglich – eben bis zur nächsten Station und steigt erst dort ein. Möglicherweise lässt sich sogar regelmäßig ein Teil des Arbeitswegs zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Das pustet nicht nur den Kopf frei, sondern fördert auch die körperliche Gesundheit.

Pendler, die nur schwer Bewegung in ihren Arbeitsweg integrieren können, sollten aber zumindest nach Feierabend auf ausreichende körperliche Betätigung achten. Denn egal ob Joggen, Fußball oder Yoga: Sport tut der Seele gut und kann nachweislich vor Gemütserkrankungen schützen.

DAL, 23.11.2018
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