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Kissenger - Küssen übers Internet

Sehnsucht war gestern. Im Cyberzeitalter können Liebende über Distanzen hinweg nicht nur simsen oder camen, sondern neuerdings auch küssen: Die Knutschmaschine Kissenger macht's möglich. Die Erfindung aus Sri Lanka steht kurz vor der Markteinführung.
von wissen.de-Autorin Monika Wittmann

Das Glück hat zwei Öhrchen und eine dicke Lippe. Dass es die nicht riskiert, sondern gleich mitbringt, liegt in der Natur der Sache. Kissenger (von Kiss + Messenger) ist eine virtuelle Kussmaschine. Der eiförmige Apparat, der in etwa so aussieht wie ein übergroßer 3-D-Tamagotchi, tastet mit seinen von Silikon umhüllten Sensoren Druck und Vibrationen von Lippenbewegungen ab und überträgt sie per Internet in Echtzeit von Partner zu Partner.

 

Love + Robotics

Ausgetüftelt wurde der Sehnsuchtstiller mit Bluetooth-Anschluss erstaunlicherweise nicht im Lande der Hightech-Toilette und des Digi-Pets, Japan, sondern auf Sri Lanka. Lovotics, eine Wortneuschöpfung aus Love und Robotics, heißt das Unternehmen. Diesen Namen trägt auch das erste Produkt des digitalen Psycholabors, ein Roboter, der Emotionen erregen und erwidern kann. Das Liebesspielzeug soll insgesamt 8 Stimmungslagen von Trauer über Glück zu Ärger anhand von künstlichen Gefühlshormonen kennen und kommunizieren.

Während sich der Prototyp von Lovotics noch im Entwicklungsstadium befindet, soll der wesentlich einfacher gebaute Kussbote Kissenger demnächst in Serie gehen. Schöpfer der virtuellen Schmusepüppchen ist Dr. Hooman Samani, Dozent für Elektrotechnik an der Universität von Taipeh (Taiwan).

 

Teleknutschen 2.0

Rund drei Jahre erforschte Samani die Kuss-Technik, bis er seine Mission zur Rettung aller Fernbeziehungen in die Tat umsetzte. „Wir haben so viele Kommunikationsmöglichkeiten – Skype, Chat, Email“, erläutert Samani dem ARD-Singapur-Korrespondenten Norbert Lübbers. „Aber da fehlt etwas, wir müssen uns die Körperlichkeit in die Kommunikation zurückholen.“ Zu sehen ist das Interview und ein Anwendertest im YouTubeVideo.

„Ich fände es besser, es würde so aussehen wie meine Freundin“ , kommentierte ein junger Tester. Neben der Optik ließe sich vielleicht auch die Nutzerfreundlichkeit von Kissenger noch steigern. Eine Möglichkeit wäre, die Kuschelsession zwischenzuspeichern, sodass Partner in unterschiedlichen Zeitzonen das Tele-Schäferstündchen komfortabler in ihren Tagesplan einbetten können.

 

Mensch-Maschine-Bussi

Der H2H(„Human-to-Human“)-Schmatzer ist jedoch nur eine der Anwendungsmöglichkeiten des Eierkopfs. Mit Kissenger soll es bald schon möglich sein, sich Avataren auf einer ganz neuen Kommunikationsebene anzunähern. Ferner will der Spezialist für Mensch-Maschine-Kommunikation Samani, der gern mal beim RoboCup mit ein paar digitalen Kumpels den Ball ins Rollen bringt, auch Robotern das Küssen beibringen. Der Einsatzzweck bleibt dem Einzelnen überlassen: Zum Trockentraining oder um "eine innigere Beziehung zu Robotern in unserem Umfeld" herzustellen, wie Samani vorschlägt. Nicht nur Mensch mit Roboter, sondern auch Roboter mit Roboter sollen dann der Gerechtigkeit halber das Vergnügen haben.

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