Lexikon
ägyptische Literatur
Der größte Teil der ägyptischen Literatur, auf Papyrus geschrieben, ist verloren gegangen. Was überliefert ist, umfasst zum größten Teil Alltagsschrifttum (Briefe, Urkunden, Rechnungen) und wissenschaftliche Literatur zur Medizin, Mathematik und Astronomie. Wichtig ist die Totenliteratur: Aus formelhaften Grabinschriften auf den Wänden der Pyramiden (ab Ende der 5. Dynastie), die in Hymnen und Zauberformeln den Himmelsaufstieg und die Jenseitsexistenz des toten Königs schildern, entwickelten sich im Mittleren Reich Sargtexte und im Neuen Reich die mit ins Grab gegebenen Totenbücher, die auch für nichtkönigliche Personen Schutz vor Gefahren im Totenreich boten. Weisheitslehren vermitteln Regeln der rechten Lebensführung und Ratschläge für das Verhalten in der Gesellschaft, etwa die Lehre des Cheti (12. Dynastie), der seinem Sohn die Vorzüge des Schreiberberufes anpreist.
Neben diesem Schrifttum ist die „schöne“ Literatur Altägyptens nicht sehr umfangreich. Erste Werke der
erzählenden Literatur
stammen aus dem Mittleren Reich: Die abenteuerliche Geschichte des Flüchtlings Sinuhe ist wohl das bekannteste Werk der ägyptischen Literatur. Im Neuen Reich werden Göttergeschichten und Märchen verschriftlicht, z. B. das Brüdermärchen. Tempelrituale und kultische Schauspiele (Urformen des Theaters) stellen götterweltliches Geschehen dar. Zur lyrischen Dichtung zählen Götterhymnen (z. B. der Aton-Hymnus des Echnaton), Lob- und Preislieder auf den König, Liebes-, Trink- und Arbeiterlieder. Die ägyptische Literatur der Neuzeit ist ein Teil der arabischen Literatur.
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