Lexikon
Famịlienname
ZunameBildungsweise deutscher Familiennamen
Nach dem Benennungsmotiv unterscheidet man:
1. Namen aus Vornamen: aus den germanischen Voll- und Kurzformen, biblische und Heiligennamen.
2. Herkunftsnamen: nach Ländern, Stämmen und Orten.
3. Wohnstättennamen: aus Flurbezeichnungen und nach Häusernamen. Aus Wohnstätten- oder Besitznamen sind auch die Adelsnamen (mit von, zu u. Ä.) hervorgegangen. Dem häufigen Besitzwechsel entsprechend war Namenwechsel beim Adel früher nicht selten.
4. Berufsnamen: aus Standes- und Berufsbezeichnungen.
5. Übernamen: nach persönlichen Merkmalen und Eigenheiten (Groß[e], Klein, Schwarzkopf, Langbehn, Unverzagt).
Eine formal eigenständige Gruppe bilden die Satznamen, die auch unter den mittelbaren Berufsbezeichnungen vertreten sind: Spannan für den Fuhrmann, Brengebier für den Wirt, Störtebecker ( = Stürz den Becher) und Drinkuth ( = Trink aus) für den Trinker, Springinsfeld für den Leichtfüßigen.
Im 15./16. Jahrhundert wurde es nach dem Vorbild der italienischen Humanisten Mode, die Familiennamen ins Griechische und Lateinische umzusetzen: Melanchthon (Schwarzert), Neander (Neumann), Sartorius (Schneider), Fabricius (Schmidt), Agricola (Bauer, Hausmann), Curtius (Kurz).
Die Juden führten neben Synagogennamen aus religiöser und geschichtlicher Überlieferung (Juda, Benjamin) schon im Mittelalter häufig bürgerliche Namen aus der Landessprache (Wolf, Süßkind); aber Familiennamen hatten sie in der Regel nicht. Wo es auf Unterscheidung ankam, fügten sie den Namen des Vaters, durch ben [„Sohn“] verbunden, hinzu; daraus entstanden später die Formen auf -sohn (Mendelssohn, Levison). Der Einnamigkeit wurde durch die im Ausgang des 18. Jahrhunderts einsetzende Emanzipation gesetzlich ein Ende bereitet. Als Familiennamen wurden Herkunftsnamen nach Ländern (Spanier) und Orten (Danziger, Oppenheimer, seltener Oppenheim) und Hausnamen (Hirsch, Rothschild) bevorzugt; daneben treten aber auch alle anderen Bildungsweisen (s. o.) auf.
- Einleitung
- Geschichte der deutschen Familiennamen
- Bildungsweise deutscher Familiennamen
- Recht deutscher Familiennamen
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