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LEXIKON

Kleist

Heinrich von, deutscher Dichter, * 18. 10. 1777 Frankfurt (Oder),  21. 11. 1811 am Wannsee bei Berlin (Selbstmord); Großneffe von Ewald Christian von Kleist; früh verwaist, seit 1792 bei der preußischen Garde, zuletzt als Leutnant; 1799 Student in Frankfurt (Oder), verlor durch I. Kants Kritik der Erkenntnismöglichkeiten das Interesse an der Wissenschaft; 1801/02 in Paris und am Thuner See, wo er ein bäuerliches Leben führen wollte und sich von seiner Braut Wilhelmine von Zenge löste, als sie ihm nicht nachfolgte; 18051807 Beamter an der Domänenkammer in Königsberg, 18071809 in Dresden, dort mit A. H. Müller Herausgeber des „Phöbus“; zuletzt in Berlin, wo er von Oktober 1810 bis März 1811 Herausgeber der „Berliner Abendblätter“ war.
Kleist, Heinrich von
Heinrich von Kleist
Kleist, Heinrich von: Berliner Abendblätter
Berliner Abendblätter
Titelseite der ersten Ausgabe der „Berliner Abendblätter“, von Oktober 1810 bis März 1811 herausgegeben von Heinrich von Kleist.
In Kleists Werk äußert sich ein leidenschaftlicher Drang zum Unbedingten, der aber nicht mehr von dem letztlich harmonisch und rational begründeten humanistischen Weltbild der Weimarer Klassik getragen ist, sondern sich gegenüber den Wirren der trügerischen Welt nur auf die Intensität des sich schmerzhaft klärenden eigenen Gefühls beruft und schließlich in der Idee einer gerechten Obrigkeit eine mit der Wirklichkeit versöhnende Lösung des tragischen Zwiespalts fordert. Kleists Werk lässt sich nur schwer einer literarischen Epoche zuordnen, da es in Problemstellungen und Artifizialität der Sprache bereits auf die Moderne verweist. Am Anfang seiner Werke steht das tief pessimistische Trauerspiel „Die Familie Schroffenstein“ 1803; es folgten die beiden Lustspiele „Amphitryon“ 1807 und „Der zerbrochne Krug“ 1811, das Schauspiel „Penthesilea“ 1808 und das Ritterstück „Käthchen von Heilbronn“ 1810; 1808 entstand die gegen Napoleon I. gerichtete „Hermannsschlacht“, zuletzt das Preußendrama „Prinz Friedrich von Homburg“ 18091811, herausgegeben postum 1821. Daneben schrieb Kleist in knapper, realistischer Art „Erzählungen“ 1810/11 um menschliche Konflikte („Michael Kohlhaas“; „Die Marquise von O...“; „Das Erdbeben in Chili“), Abhandlungen, Anekdoten und Gedichte.
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