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LEXIKON

kroatische Literatur

Die Zugehörigkeit der Kroaten zur römischen Kirche und die Nähe Italiens wiesen ihrer Literatur von vornherein andere Wege als der der sprachverwandten Serben. Zwar gibt es auch in der kroatischen Literatur eine geistlich-kirchenslawische Dichtung (10.15. Jahrhundert), und die Grenzen der Volksdichtung sind nach Osten hin fließend die Kunstdichtung hat sich jedoch immer nach westlichen Vorbildern orientiert und spiegelt alle literarischen und geistesgeschichtlichen Strömungen Europas. Eine erste Blütezeit waren die sog. dalmatinische Renaissance und das Barock mit D. und M. Držić, I. Gundulić, dem Lyriker Šiško Menčetić (* 1457,  1527), dem Epiker Marko Marulić (* 1450,  1524) und dem Dramatiker Hanibal Lucić (* 1485,  1553). Nach der Zurückdrängung der Türken wurde auch das Binnenland mit Zagreb als Mittelpunkt schöpferisch tätig. Für die breiten Volksschichten schrieben Andsija Kačić-Miošić (* 1704,  1760) und Matija Autun Reljković (* 1732,  1798) unter Anknüpfung an die volkstümliche literararische Tradition. Dem Bedürfnis nach einer einheitlicher Schriftsprache kam L. Gaj entgegen, der den Anschluss an die Sprachreform von V. Karadžić durchsetzte. Die Zeit der „Wiedergeburt“ im 19. Jahrhundert war im übrigen gekennzeichnet durch die Lyrik von Petar Preradović (* 1818,  1872) und S. Vraz sowie die Epik von Ivan Mažuranić (* 1814,  1890).
Nach 1848 wurde die nationale Romantik von einem den Gegenwartsproblemen zugewandten Realismus abgelöst: August Šenoa (* 1838,  1881), Ante Kovačić (* 1854,  1889), K. S. Gjalski waren seine Vertreter. Um die Wende zum 20. Jahrhundert forderte die sog. „Moderne“ mit Antun Gustav Matoš (* 1873,  1914), Ivo Vojnović (* 1857,  1929) und V. Nazor die Autonomie der Kunst, während zwischen den Weltkriegen soziale Probleme in den Vordergrund traten, so bei M. Krleža. Erlebnisse aus dem 2. Weltkrieg verarbeiteten Vladimir Nazor (* 1876,  1949) und Slavko Kolar (* 1891,  1963). Mitte der 1950er Jahre gewann die jüngere kroatische Schriftstellergeneration den Anschluss an die bedeutenden Strömungen der Weltliteratur, so Slobodan Novak (* 1924), dessen intellektuell-distanzierte Prosa der tradierten pathetischen Diktion mit Ironie begegnete. Andere Autoren lösten sich vom realitätsbezogenen Schreiben ab und dem Fantastischen und Spirituellen zu. In den 1980er Jahren beherrschten Autoren wie Ivan Aralica (* 1930) und Nedjeljko Fabrio (* 1937) souverän die postmoderne Formenvielfalt.
Die Vertreter der postjugoslawischen Schriftstellergeneration versuchen vielfach die von den Kriegen geprägte Geschichte des Landes aufzuarbeiten, so z. B. Igor Štiks, (* 1977) oder S. Draculić (*1949), die in ihren Romanen, Reportagen und Essays aus weiblicher Perspektive die Traumata und Verbrechen des Bürgerkrieges aufzuarbeiten versucht. R. Baretić (* 1963) stellt vor allem die Perspektivlosigkeit der jungen städtischen Generation dar. Als wichtigster zeitgenössischer Lyriker gilt J. Fiamengo (* 1946), dessen Gedichte von der mediterranen Tradition geprägt sind und vielfach vertont wurden.
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