Lexikon

Liberal Party

[
ˈlibərəlˈpa:ti
]
in den 1850er Jahren aus den Whigs, Teilen der Konservativen u. a. Gruppierungen entstandene engl. Parlamentspartei mit uneinheitl. Grundstruktur u. unprogrammatischem Charakter. Die L. P. war in ihren Anschauungen stets der Idee von der freiheitl. Entfaltung des Individuums verpflichtet, die im Lauf der Parteigeschichte in unterschiedl. Weise verwirklicht wurde.
Prägende Figur der Anfangsjahre war der zweimalige Premierminister Lord Palmerston, dessen Popularität wesentlich zu den Wahlsiegen von 1857 u. 1865 führte. Zur Massenpartei wurden die Liberalen durch W. E. Gladstone, unter dessen Ägide im Großbritannien des ausgehenden 19. Jh. viele Reformen durchgeführt wurden (Wahlrechtsänderungen, Anerkennung der Gewerkschaften u. a.). Aufgrund der Irland-Politik Gladstones spaltete sich eine Gruppe unter Lord Harrington u. Chamberlain ab, die 1912 zu den Konservativen überging.
Zu Beginn des 20. Jh. leiteten die Liberalen D. Lloyd George u. W. Churchill ein großes Sozialreformprogramm ein (Unfall- u. Arbeitslosenversicherung, Arbeitszeitbegrenzungen). Mit dem 1. Weltkrieg kam es zu einer deutl. Schwächung der Partei, die dazu führte, dass sich 1918 eine große Gruppe der Partei (die sich später Nationalliberale nannten) unter Lloyd George stärker den Konservativen zuwandte. Diese Spaltung u. der gleichzeitige Aufstieg der Labour Party führten in Verbindung mit dem brit. Mehrheitswahlsystem dazu, dass die L. P. zu einer Splitterpartei verfiel. Erst in den 1970er Jahren konnten die Liberalen wieder an Einfluss gewinnen. 1988 schloss sich die L. P. mit Teilen der Social Democratic Party, die 1981 aus dem abgespaltenen gemäßigten Flügel der Labour Party hervorgegangen war, zur Social and Liberal Democratic Party zusammen (seit 1989 Liberal Democrats).
C. Cook, A short history of the L. P. London. 1976. R. Douglas, The history of the L. P. 18951970. London. 1971.
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