Lexikon
Mann
Betrachtungen eines Unpolitischen
Weltanschaulich war Mann – anders als sein Bruder Heinrich – in dieser Zeit dem Großbürgertum verbunden und ließ sich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu einem glühenden und unkritischen Patriotismus hinreißen. In seinem 1918 veröffentlichten Essay „Betrachtungen eines Unpolitischen“ verteidigte er das autoritäre Kaiserregime gegen demokratisch-republikanische Bestrebungen. Diese Haltung widerrief er in den ersten Jahren der Weimarer Republik, um sich einer bürgerlich-demokratischen Position anzunähern. Sein Sinneswandel wird exemplarisch im 1924 erschienenen Roman „Der Zauberberg“ deutlich, einer breiten Analyse der gesellschaftlichen und politischen Zustände Europas vor dem Ersten Weltkrieg.
- Erscheinungsjahr: 1924
- Veröffentlicht: Deutsches Reich
- Verfasser:
- Deutscher Titel: Der Zauberberg
- Genre: Roman
Thomas Mann (* 1875, † 1955), Literaturnobelpreisträger
1929
, legt mit dem beim Verlag Fischer in Berlin erscheinenden zweibändigen Roman »Der Zauberberg« ein Werk vor, das weniger Abbild realer Vorgänge, als poetische Reflexion geistes- und kulturgeschichtlicher, ethischer und politisch-moralischer Themen ist. Die Fabel dieses umfangreichen Werks, das von der Literaturwissenschaft auch als Bildungsroman bezeichnet wird, ist folgende: Der junge Patriziersohn Hans Castorp besucht in einem vornehmen Hochgebirgssanatorium in Davos seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen. Er erliegt bald dem »hermetischen Zauber« dieses Orts und verschiebt seine Abreise, bis er schließlich in dem außergewöhnlichen Klima selbst Patient wird. Da ihm der Aufenthalt auf diesem Zauberberg »hier oben« geistige Abenteuer und neue menschliche Erfahrungen verspricht, die ihm im »Flachland« verschlossen bleiben würden, ist ihm auch diese Verlängerung des Aufenthaltes recht. Obwohl seine Krankheit bald ausgeheilt ist, bleibt er sieben Jahre, bis ihn der »Donnerschlag« des Ersten Weltkriegs in die Realität des Alltags zurückholt und aufs Schlachtfeld fordert. Während der sieben Jahre hat sich in Castorp durch Gespräche und Begegnungen ein neues Gefühl von Humanität herangebildet. Er verlässt den »Zauberberg« nicht mehr als der Hans Castorp, der er vormals war.- Einleitung
- Erste literarische Früchte
- Betrachtungen eines Unpolitischen
- Weimarer Krise und Zweiter Weltkrieg
- Klassiker des 20. Jahrhunderts
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