Lexikon
österreichische Kunst
Architektur
Zu den ältesten geschichtlichen Zeugnissen der österreichischen Kunst gehört Carnuntum, eine vorrömische Ansiedlung bei einem alten Donauübergang. Hier errichteten die Römer ein großes Legionslager, das um 400 zerstört wurde. In der Nähe befanden sich zwei Amphitheater.
Von Sakralbauten aus vorromanischer Zeit ist St. Martin in Linz (um 800) erhalten. Frühzeitig bildete sich als Typus die dreischiffige Basilika ohne Querschiff und mit drei Apsiden im Osten heraus. Der Dom zu Gurk (1140–1200) hat ein nicht vorspringendes Querschiff und eine sehr große Krypta mit 100 Säulen aus weißem Marmor. In der Stiftskirche in Klosterneuburg (2. Hälfte 12. Jahrhundert) finden sich Apsiden am Querschiff und am Chor. Weit verbreitet war der Karner, ein zweigeschossiger Zentralbau, in dem exhumierte Gebeine aufbewahrt wurden (Tulln, um 1275). Der letzte romanische Großbau war das Langhaus der Zisterzienserkirche in Heiligenkreuz (1135–1160). Die Gotik entfaltete sich im Hallenchor von Heiligenkreuz (1295 geweiht) und im Wiener Stephansdom, dessen Turm (13.–15. Jahrhundert) zu einem weltbekannten Wahrzeichen wurde, zur vollen Blüte. Sie schien den österreichischen Baumeistern so lange zeitgemäß, dass nur wenige Renaissancebauten entstanden; diese dienten den Landständen als Sitz (in Linz und Graz, zwischen 1557 und 1571) und als Adelsschlösser (Spittal, seit 1527; Hartheim, um 1590).
Die großartigsten Kunstleistungen Österreichs sind die Architekturschöpfungen des Barocks, im 17. Jahrhundert eingeleitet durch den Neubau des Salzburger Doms, die Stiftskirche in St. Florian und die frühen Barockbauten in Wien (Leopoldsflügel der Hofburg), die sämtlich italienischen Formcharakter tragen. Erst nach der Befreiung Wiens von den Türken (1683) fand das österreichische Barock zu eigenen Bauformen durch Architekten wie J. B. Fischer von Erlach (Kollegienkirche und Dreifaltigkeitskirche in Salzburg, Karlskirche, Stadtpaläste in Wien, Pläne für das Schloss Schönbrunn), J. L. von Hildebrandt (Piaristenkirche, Peterskirche, Stadtpaläste und Belvedere in Wien, Treppenhaus von Schloss Mirabell in Salzburg) und J. Prandtauer (Stift Melk).
Die Architektur des Historismus nahm in Österreich ihren Anfang mit der 1857 begonnenen Anlage der Wiener Ringstraße. H. Ferstel errichtete im gotischen Stil die Votivkirche und nach italienischen Renaissancevorbildern die Universität, T. Hansen schuf das klassizistische Parlamentsgebäude, F. von Schmitt entwarf das Rathaus. G. Semper und K. Hasenauer planten die Wiener Museumsbauten. Den historisierenden Stilen setzten O. Wagner, J. M. Olbrich, A. Loos und J. Hoffmann eine neue zeitgemäße Bauweise entgegen und verwirklichten ihre Konzeptionen vor allem in Wien. Die moderne österreichische Architektur wird u. a. von G. Peichl repräsentiert, der neben internationalen Bauaufgaben (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, 1985–1992; Kindertagesstätte des Deutschen Bundestages in Berlin 1997) für den ORF (Österreichischer Rundfunk) 1968–1983 sechs Landesstudios realisierte und 1997–1999 den Millennium Tower in Wien baute. H. Hollein bereicherte schon in den 1960er und 1970er Jahren die Wiener Innenstadt mit Geschäftshäusern, die an architektonische Collagen erinnern. F. Hundertwasser definierte seine Architektur über die Natur und die Fenster, bei denen er ein Abrücken von der Rechteckform propagierte (Hundertwasserhaus in Wien, 1977–1986; Thermendorf Blumau/Steiermark, 1990–1997). Die 1968 gegründete österreichische Architektengruppe Coop Himmelblau sucht nach Möglichkeiten, die in den Städten bestehenden architektonischen Ordnungen aufzulösen (SEG Apartment Turm in Wien, 1998).
- Einleitung
- Architektur
- Plastik
- Malerei
Wissenschaft
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