Lexikon
Runder Tisch soll den Krieg in Nordirland beenden
SPIEGEL: Mr. Adams, waren sie im Voraus über die Anschläge der Irisch Republikanischen Armee [IRA] auf den Flughafen London-Heathrow unterrichtet?
Adams: Nein, niemals, wie kommen sie auf so eine Idee?
SPIEGEL: Sind ihnen die Personen bekannt, die diesen Terrorakt geplant haben?
Adams: Nein. Sie vergessen, dass Sinn-Féin eine von der IRA getrennte Organisation ist.
SPIEGEL: Wenn sie die IRA-Führer nicht kennen, wie wollen sie die IRA dann dazu bringen, ihre bewaffneten Aktionen einzustellen?
Adams: Man muss die IRA-Aktivisten nicht unbedingt persönlich kennen, um etwas zu bewegen. Mein Anliegen ist, den angloirischen Konflikt zu demilitarisieren. In ihm stehen sich zwei bewaffnete Gruppen gegenüber: auf der einen Seite die britische Armee und die militanten probritischen Gruppen aus Nordirland, auf der anderen die vergleichsweise kleinere IRA. Alle müssen ihre Waffen gleichzeitig niederlegen.
SPIEGEL: Aufgrund ihrer Herkunft als katholisch-republikanischer Widerstandskämpfer sind sie der irische Politiker mit dem größten Einfluss auf die IRA-Führung. Sie können nicht behaupten, mit ihr nichts zu tun zu haben.
Adams: Ich habe mich persönlich nie von der IRA distanziert. Das wäre unehrlich. Doch während ich politisch arbeite, ist die IRA eine geheime, bewaffnete Organisation. Ich möchte, dass sie ihre Aktionen einstellt.
SPIEGEL: Sehen sie dafür eine Chance?
Adams: Die IRA wird ihren Kampf nicht einseitig aufgeben. Um den Friedensprozess zu fördern, möchte ich, dass die britische Regierung mit unserer Sinn-Féin-Partei Verhandlungen aufnimmt. Dann könnte ich zur IRA gehen und ihr - hoffentlich - ein Lösungspaket anbieten, das ihr eine endgültige Entscheidung über die zukünftige Politik ermöglicht. Die britische Armee versucht seit 25 Jahren, die IRA zu besiegen. Aber die IRA war nicht zu schlagen. Im Gegenteil, es sieht so aus, als könne sie ihre bewaffneten Aktionen fortsetzen - bis in alle Ewigkeit.
SPIEGEL: Also Krieg bis zum bitteren Ende?
Adams: Nein. Für Irland gibt es keine militärische Lösung. Wir haben dort ein politisches Problem, und das bedarf einer politischen Lösung. Ich versuche seit vielen Jahren, das militärische Patt aufzubrechen. Die IRA hat mehrmals öffentlich erklärt, dass die Initiative, die von mir und dem Chef der Sozialdemokratischen Partei in Nordirland, John Hume, ausgeht, die Basis für einen Frieden bilden könnte. Hume und ich haben einen Runden Tisch aller Konfliktparteien vorgeschlagen."
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