Lexikon

Schlaf

ein lebenswichtiger physiologischer Ruhezustand des Körpers. Das Einschlafen ist kein passiver Vorgang, sondern wird vom Zwischenhirn (Hypothalamus) aktiv durch besondere Impulse ausgelöst und gesteuert. Das Bewusstsein ist beim Schlaf ausgeschaltet.
Der Schlaf des Menschen lässt sich in verschiedene Phasen einteilen, deren jeweils charakteristische Hirnwellen mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet werden können. Phase I ist gekennzeichnet durch den Übergang vom Wachen zum Schlafen. Die im entspannten Wachzustand vorherrschenden Alpha-Wellen (8–12 Hz) gehen in flache Theta-Wellen (4–7 Hz) über. Phase II markiert den eigentlichen Einschlafzeitpunkt. Der Muskeltonus sinkt, Augenbewegungen treten nicht auf. Phase III und IV werden als Tiefschlafphase zusammengefasst. Kennzeichnend sind langsame Delta-Wellen (0,5–2 Hz) und ein weiter abgesunkener Muskeltonus. Auch Herzschlag und Blutdruck sind gesenkt. Daran schließt sich eine Schlafphase an, in der die Gehirnwellen wieder der Phase I ähneln. Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen an, es kommt zu kurzen Muskelzuckungen und Erektionen beim Mann. Außerdem wird diese Phase von lebhaften Träumen begleitet. Auffallend sind jetzt schnelle Augenbewegungen (daher auch REM-Phase, Abkürzung für englisch rapid eye movement). Die einzelnen Schlafphasen werden in einer Nacht mehrmals hintereinander durchlaufen. Dabei werden die REM-Phasen zum Morgen hin immer länger, die Tiefschlafphasen werden immer kürzer und zum Morgen hin gar nicht mehr erreicht. REM-Schlaf und Tiefschlaf machen jeweils etwa 20–25% der gesamten Schlafdauer aus.
Schlafbedürfnis und Schlafdauer sind individuell unterschiedlich und nehmen mit dem Lebensalter ab, ebenso der Anteil des REM-Schlafs pro Nacht. Säuglinge brauchen besonders viel Schlaf (etwa 16 Std.), wobei über 50% auf REM-Schlaf entfällt. Die Schlafdauer stellt sich beim Erwachsenen bei einem Mittelwert zwischen 4 und 10 Std. ein und sinkt mit dem Alter ab. Nach den Schlafzeiten unterscheidet man den Langschläfer mit 8–10 Std., den Mittellangschläfer mit 6–8 Std. und den Kurzschläfer mit 4–6 Std. Schlaf pro Nacht. Schlafstörungen.
Die Funktion von Schlaf ist bis heute nicht vollständig geklärt. Zum einen dient er der Erholung und Regeneration des Körpers. Daneben zeigen neuere Erkenntnisse der Hirnforschung aber auch, dass eine wesentliche Funktion von Schlaf in der Verarbeitung von neuen Informationen besteht, d. h. für Gedächtnisbildung und Lernen unerlässlich ist, während Überflüssiges aus der Fülle des am Tag Aufgenommenen aussortiert wird. Wurde der Schlaf nach der Vermittlung neuer Lerninhalte versuchsweise künstlich unterdrückt, blieb der Lernerfolg aus. Andererseits konnte der Lernerfolg deutlich gesteigert werden, indem Versuchspersonen durch einen leichten Strom in einen tieferen Tiefschlaf versetzt wurden. „Lernen im Schlaf“ findet also tatsächlich statt.
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