Lexikon
Türkei
Die Türkische Republik zwischen Militärherrschaft und Demokratie
Dem Friedensvertrag von Sèvres 1920, der das Osmanische Reich auf ein inneranatolisches Restgebiet reduzierte und Smyrna den Griechen zusprach, widersetzte sich eine Nationalbewegung unter Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk. Nachdem er 1921/22 die Griechen aus Anatolien vertrieben hatte, setzte er 1922 den letzten Sultan ab. 1923 wurde die Türkische Republik ausgerufen; Kemal Pascha wurde ihr erster Präsident. Der Frieden von Lausanne 1923 gab der Türkei etwa ihr heutiges Staatsgebiet. In der Folge nahm Kemal Reformen in Angriff: Abschaffung des Kalifats, Einführung der Lateinschrift, Trennung von Staat und Religion, rechtliche Gleichstellung der Frau. Gestützt wurde der Kemalismus durch die einzig zugelassene Partei, die Republikanische Volkspartei. Nach dem Tod Atatürks 1938 wurde Ismet Inönü Staatspräsident und führte dessen Politik fort. Im 2. Weltkrieg blieb die Türkei neutral, sie erklärte erst 1945 formell Deutschland den Krieg.
Nach Einführung des Mehrparteiensystems gewann 1950 die Demokratische Partei mit Adnan Menderes die Stimmenmehrheit. Menderes wurde neuer Ministerpräsident. 1952 trat die Türkei der NATO bei. Ein Militärputsch beendete 1960 die autoritäre Herrschaft von Menderes, der eine anitkemalistische Politik betrieben hatte. 1961 wurde er hingerichtet. Im selben Jahr ging die Regierung wieder in zivile Hände über. Seit 1965 regierte Ministerpräsident Süleiman Demirel. Dieser wurde wegen Verschleppung von Reformen und zunehmender sozialer Unruhe im Land 1971 vom Militär zum Rücktritt gezwungen. 1974 besetzten türkische Truppen den Norden Zyperns. Hierdurch wurden die Beziehungen zum NATO-Partner Griechenland stark belastet. Angesichts der zunehmenden innenpolitischen Labilität ergriff die Militärführung 1980 erneut die Macht. Sie stellte die innere Ruhe mit drakonischen Mitteln wieder her. 1982 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. 1983 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen nur drei neu gegründete Parteien zugelassen waren. Die von den Militärs nicht favorisierte Mutterlandspartei errang die absolute Mehrheit; ihr Führer Turgut Özal wurde Ministerpräsident. 1984 begann die illegale Kurdische Arbeiterpartei (PKK) einen Guerillakrieg gegen die türkische Armee mit dem Ziel, einen souveränen Kurdenstaat zu schaffen. 1989 wurde Özal zum Staatspräsidenten gewählt.
- Einleitung
- Natur und Klima
- Bevölkerung
- Bildung
- Staat und Politik
- Wirtschaft und Verkehr
- Geschichte
- Die Entwicklung bis zur Bildung des Osmanischen Reiches
- Aufstieg zur Weltmacht
- Niedergang
- Die Türkische Republik zwischen Militärherrschaft und Demokratie
- Die Türkei seit den 1990er Jahren
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